Halle (dpa) l Die faszinierende Himmelsscheibe von Nebra leuchtet sozusagen über allem. Aber auch ohne den weltweit bekannten Fund ist das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ein Ort der besonderen Art: Vor 100 Jahren öffnete das Haus als Deutschlands erster Museumsneubau für prähistorische Archäologie. In den vergangenen Jahren habe sich das Landesmuseum zum Aushängeschild weit über Sachsen-Anhalt hinaus europaweit etabliert, sagt Landesarchäologe Harald Meller der Deutschen Presse-Agentur. „Mittlerweile ist es eines der innovativsten und sehenswertesten Museen.“

Mehr als 16,5 Millionen Einzelfunde liegen heute im Depot des Museums. „Die Ältesten sind rund 150 Millionen Jahre alte Saurierspuren aus Bernburg“, sagt Sammlungsleiter Roman Mischker. Die 3600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra gehört nach einer abenteuerlichen Rettungsaktion seit 2002 zum Bestand des Museums. Derzeit ist die Himmelsscheibe bei einer Schau in Berlin zu sehen.

Geschichte reicht weiter zurück

In einer Feierstunde wird Dienstag an die Eröffnung in 1918 erinnert. Dabei reicht die Sammlungsgeschichte viel weiter zurück. „Bereits 1812 gab es in Langendorf bei Zeitz die erste Ausgrabung“, sagt Mischker. 1817 wurde der „Unstrutverein für vaterländische Alterthümer in Geschichte und Kunst“, ein Jahr später der „Thüringisch-sächsische Verein für die Erforschung des vaterländischen Alterthums und Erhaltung seiner Denkmale“ gegründet. Schenkungen, Ankäufe und eigene Forschungen ließen die Sammlung schnell anwachsen.

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Das heutige Gebäude wurde 1911 bis 1913 im neoklassizistischen Stil nach Plänen des Düsseldorfer Architekten Wilhelm Kreis (1873-1955) errichtet. Eigentlich war die Eröffnung schon für 1915, zur 100-Jahr-Feier der preußischen Provinz Sachsen geplant. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs durchkreuzte die Pläne. Seit 1918 ist das Haus trotz wechselnder Namen ein Landesmuseum geblieben – sogar zu DDR-Zeiten, als es keine Länder gab. Nur zwischen Juni 1994 und März 2003 blieb das Museum wegen Baumängeln geschlossen. Der neue Landesarchäologe Meller öffnete die Räume mit der Dauerausstellung „Menschenwechsel“ wieder für das Publikum.

Zu den Highlights des Museums zählen: Der rund 80000 Jahre alte Daumenabdruck eines Neandertalers auf einem Stück Pech – als ältestes Signum der Menschheitsgeschichte. Ebenso ein rund 2000 Jahre alter germanischer Goldschatz aus dem Braunkohletagebau Profen (Burgenlandkreis), der auf einem antiken Urnen-Friedhof entdeckt wurde. Der Goldschatz mit 430 Gramm reinem Gold wurde zusammen mit den Überresten einer Frau in einer Urne gefunden. „Es ist das bislang reichste Frauengrab aus dem freien Germanien der frühen römischen Kaiserzeit“, sagt Meller.

Älteste Spuren sind Schädelknochen

Die ältesten Spuren von Menschen in Mitteldeutschland sind rund 370.000 Jahre alte Schädelknochen. Sie wurden auf einem steinzeitlichen Rastplatz bei Bilzingsleben (Thüringen) entdeckt. Stolz ist das Landesmuseum auch auf eine der größten DNA-Banken der Welt – mehrere Zehntausend Knochen aus Mitteleuropa lagern in Halle.

„Das größte Problem war das Hochwasser vom Juni 2013“, sagt Mischker. Immerhin gelang es, aus den überfluteten Kellerräumen 60.000 Verpackungseinheiten zu retten. Lediglich 500 Fundzettel konnten entsprechenden Funden nicht wieder zugeordnet werden.

Zum Festakt am heutigen Dienstag wird auch Ministerpräsident Reiner Haseloff erwartet. Für die Besucher gibt es ein Jubiläumsfest am Wochenende.