Dessau (dpa) l Der geplante Bau einer Synagoge in Dessau bekommt neuen Schwung. An diesem Donnerstag erhält die Jüdische Gemeinde der Stadt einen symbolischen Scheck über 300.000 Euro von der Lotto Toto Gesellschaft, wie der Vorsitzende Alexander Wassermann sagte. Außerdem übertrage die Stadt das entsprechende Grundstück an die Gemeinde.

Die künftige Einrichtung soll einmal den Namen "Weill Synagoge" tragen. "Denn der Vater des berühmten Komponisten Kurt Weill war einst Kantor unserer Gemeinde", erläuterte Wassermann. Die Geburtsstadt Dessau erinnert einmal im Jahr mit einem Festival an den Komponisten Kurt Weill (1900-1950). Die 1908 geweihte Dessauer Synagoge war ebenso wie andere jüdische Einrichtungen in der Pogromnacht am 9. November 1938 ausgeplündert und niedergebrannt worden.

Der Synagogenneubau ist als Anbau an das Gemeindehaus gedacht und soll einmal rund 80 Plätze haben. Die Räumlichkeiten im Gemeindehaus sind Wassermann zufolge zu klein geworden. Die Jüdische Gemeinde zu Dessau sei auf etwa 300 Mitglieder angewachsen. Hinzu kämen deren Familienmitglieder.

Das Gesamtprojekt belauft sich den Angaben zufolge auf etwa 1,5 Millionen Euro, wobei erst die Hälfte der Finanzierung über Zuschüsse und Spenden gesichert sei. Einen konkreten Termin für den Baubeginn gebe es daher noch nicht. Wassermann hofft hier auf Hilfe vom Land.

Posten muss noch beschlossen werden

Ein weiteres Synagogen-Projekt gibt es in Sachsen-Anhalt für die Jüdische Gemeinde zu Magdeburg, wo sich ein Förderverein um den Neubau kümmert. Im Haushalt des Landes seien dafür 2,8 Millionen Euro eingestellt, den Posten müsse das Landesparlament im Dezember aber noch beschließen, sagte die Vorstandsvorsitzende des Vereins, Waltraud Zachuber.

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, Max Privorozki, verwies darauf, dass es lange Jahre "überhaupt keine Bewegung" gegeben habe. "Und jetzt tut sich etwas – in Magdeburg und auch in Dessau." Das sei sehr erfreulich. Nach Angaben des Zentralrates der Juden in Deutschland gibt es auch Planungen für Synagogen etwa in Koblenz, Baden-Baden und Neuss.