Magdeburg/Dessau-Roßlau (dpa) l Aus Sicht der Landesstelle für Suchtfragen wird der Jugendschutz beim Alkoholverkauf deutlich zu selten kontrolliert. "Es gibt viel zu wenig Testkäufe", sagte die Leiterin der Fachstelle, Helga Meeßen-Hühne, der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. Dabei sei das ein geeignetes Instrument, die Einhaltung der Vorschriften zu überprüfen. Wichtig sei, dass danach die Ergebnisse veröffentlicht würden. "Sie sollten sich nicht schämen, sie sollten sich gesehen fühlen in dem, was sie tun", sagte Meeßen-Hühne über die Verkaufsstellen.

Dessau-Roßlau etwa stellte die Expertin ein gutes Zeugnis aus was die Kontrollen angeht. Aus der Stadtverwaltung dort hieß es, es gebe ein bis zwei Einsätze pro Jahr. Das hänge von der Verfügbarkeit geeigneter Testkäufer ab. Getestet werde in Lotto- und Tabakläden, an Tankstellen und in Kaufhallen im Stadtgebiet sowie auf dem Dessauer Weihnachtsmarkt. Zwei Minderjährige im Alter von 16 und 17 Jahren führten die Testkäufe durch.

Die jüngsten Ergebnisse zeigen ein durchaus durchwachsenes Ergebnis: In 4 von 10 Verkaufseinrichtungen hätten die Testkäufer Alkohol und Tabakwaren erwerben können. Bei allen festgestellten Verstößen müssten die Betroffenen mit einem Bußgeld zwischen 100 und 1000 Euro rechnen. Aber Dessau-Roßlau steht auch vor Problemen, weitere Testkäufe durchführen zu können: "Es ist derzeit leider nicht möglich, minderjährige Testkäufer innerhalb der Stadtverwaltung Dessau-Roßlau zu finden. Daher wurden im vergangenen Jahr Auszubildende der Stadtsparkasse Dessau hierfür eingesetzt", hieß es weiter aus der Verwaltung.

2017 Acht Kontrollen in Magdeburg

In Magdeburg werden laut der Stadtverwaltung minderjährige Auszubildende aus den eigenen Reihen als Testkäufer eingesetzt: "vom angehenden Gärtner bis zum Beamten im Vorbereitungsdienst", hieß es. Die Kapazitäten seien ausreichend. Die Ergebnisse der Testkäufe zeigen, dass immer wieder Verstöße aufgedeckt werden. Allein 2017 wurden laut einem Stadtsprecher in Magdeburg bis Juli 8 Kontrollen durchgeführt, bei 2 wurden Verstöße gegen den Jugendschutz festgestellt. 2016 waren es bei 31 Kontrollen 17 Verstöße. In der Stadt Halle werden nach Angaben eines Sprecher keine Testkäufe durchgeführt.

Meeßen-Hühne ist sich sicher, dass das Jugendschutzgesetz mit den Beschränkungen für den Verkauf überall bekannt ist. "Es wird ignoriert", sagte sie. Sie höre immer wieder Ausreden wie "der sieht ja gar nicht so jung aus." Es gebe aber durchaus Unterschiede zwischen großen und kleinen Verkaufseinrichtungen. In großen Supermärkten zeigten die Kassen oft automatisch an, dass der Ausweis kontrolliert werden soll. Es gebe bessere Abläufe, damit das laufende Geschäft nicht zu stark behindert wird.