Magdeburg l Nun ist die Lebenserwartung des Jahres 2019 auf 24 Tage gesunken. Der heute fast vergessene Willy Dehmel, Autor etlicher Texte für die Schlagerstars der 1930er Jahre, hat dazu ein Lied mit dem Refrain geschrieben: „Kalender, Kalender, du bist ja schon so dünn, / nun ist‘s ja bis Weihnachten nichtmehr lange hin.“

Also sind die Kalender an der Wand in die Jahre gekommen. Nüchtern betrachtet, ist das natürlich unmöglich, da Kalender eben nur eine Lebenszeit von zwölf Monaten haben. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Unsere Ausnahme heißt „Zeitenlauf“. Der kleine Kalender mit Versen von André Franke und Zeichnungen von Uwe Wendler erlebt an jedem 1. Januar eine Wiedergeburt. Möglich ist es, weil die Künstler das Kalendarium auf die Zahlen beschränkten und die Tagesbezeichnungen wegließen.

Von unserem Dauerkalender mal abgesehen, ähneln sich die Zeitleisten der Kalender. Naturgemäß. Aber sie sind unverzichtbar, auch wenn sie sicherlich für den Kauf nicht ausschlaggebend sind. Mitunter aber ist es ein Verlust, sie zu übersehen. Etwa bei dem bunten Wandkalender „Unser altes Magdeburg“. Dort wird an viele Ereignisse aus der Stadtgeschichte erinnert, im Januar an die Inbetriebnahme des Handelshafens, an die Beisetzung der Königin Editha im Dom und an die Zerstörung 1945. Was damals verloren ging, ist Thema des Volksstimme-Kalenders „Magdeburg damals 2020“. Dank des ‚Archivs Dr. Schmietendorf bewahrt er bauliche Schönheiten der Stadt vor dem Vergessen.

Bilder

Wer in Buchhandlungen oder im Internet nach Kalendern mit sachsen-anhaltischen Motiven sucht, hat die Qual der Wahl. Sie wurde noch gesteigert, weil immer mehr Fotografen wie Patrick König, Gunnar Gunnarsson oder Wenzel Oschington im Eigenverlag Kalender auf den Markt bringen.

„Harz 2020“ hat der Wernigeröder Patrick König seinen Kalender genannt, den er in zwei verschiedenen Formaten anbietet. Er möchte die Schönheit und die Verschiedenheit des Harzes und des Harzvorlandes einfangen. Dabei spielt für ihn das Erfassen von Lichtstimmungen eine große Rolle. Gunnar Gunnarsson hat daraus sogar seine eigene Marke „Lichtmomente“ entwickelt.

Er nutzt das unterschiedliche Licht des Tages zu stimmungsvollen Bildern. Das macht ihn auch zum Frühaufsteher, etwa um für das Juliblatt seines Kalenders „Magdeburg 2020“am Domfelsen das Licht der Morgensonne einzufangen. Wenzel Oschington hält in seinem Kalender „Magdeburger Spaziergänge 2020“ erneut Bekanntes und weniger Bekanntes aus seiner Stadt fest, oft aus ungewöhnlicher Sicht.

Panoramablick auf Magdeburg

Das große Format und der Panoramablick der Kamera des Fotografen Andreas Lander sind die Markenzeichen des „Panoramakalenders Magdeburg 2020“ aus dem inzwischen nach Barleben umgezogenen Unternehmen „Sieben Medien“.

Wer Bilder von Zeichenstift und Pinsel denen der Kamera vorzieht, wird beim „Magdeburger Kunstkalender 2020“ fündig. In diesem Jahr hat der Herausgeber, der Maler und Grafiker Wolfgang Wähnelt, die Türme der Stadt aufs Papier gebannt, die des Doms ebenso wie den des „Plättbolzens“ am Hasselbachplatz.

Zu einer Bilderreise hinweg über Städte und Landschaften der Altmark verleitet die Stendaler Medienagentur VEB-Bild mit ihrem Luftbildkalender „Altmark 2020“. „Wir wollen allen Altmärkern und Freunden der Region neue Blickwinkel auf ihre geliebte Heimat bieten“, nennt Thomas Butzek, einer der beiden Geschäftsführer die Idee zum Kalender. Er entstand mit Hilfe von Drohnen und Kameras.

Drohnenfotograf in Magdeburg unterwegs

Drohenfotograf Steffen Lehmann war auch für den Luftbildkalender von Magdeburg unterwegs. Gleich ausgestattet gestalteten die Stendaler auch „Havelländige Momentaufnahmen 2020“ und erstmals den Luftbildkalender Harz. „Wir sehen die Kalender als ideale Botschafter für unser schönes Land“, sagt Mitgeschäftsführer Dirk Andres.

Gute Idee, erinnerte doch Dehmels Kalenderlied: „Nun ist‘s ja bis Weihnachten nicht mehr lange hin.“ (Für die Unterstützung dankt der Autor der Thalia-Buchhandlung im Magdeburger Allee-Center.)