Magdeburg l  Das ist ein Novum in der Landes-CDU: Seit Dienstag (9. Februar) gibt es eine alternative Bewerberliste zu den Empfehlungen des Landesvorstands, vorgelegt von der Frauen Union. Deren Landeschefin Sabine Wölfer erklärte: „In keinem anderen Landesvorstand der CDU ist der Kampf um die Besetzung von Frauen so kräftezehrend wie in Sachsen-Anhalt. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder auch Sachsen arbeiten bereits fast paritätisch mit der Frauen Union zusammen.“

Die Bewerberliste des Landesvorstands sieht vor, dass die erste Frau erst auf Rang 15 platziert ist. Der Vorschlag der Frauen Union beinhaltet dagegen, dass sich unter den ersten 15 Kandidaten sieben Frauen wiederfinden. Seit Wochen lege der Landesvorstand der Frauen Union seine Bedenken zur CDU-Empfehlungsliste offen, sagte Wölfer. „Es gab viele Gespräche mit Mitgliedern des CDU-Landesvorstandes, und doch gibt es keinen ersichtlichen Willen auf Veränderung.“

Ein Nein werde nicht akzeptiert

Die Frauen Union verweist auf die Satzung der Landes-CDU. Darin steht: „Bei der Aufstellung von Listen für Kommunal- und Landtagswahlen, für die Wahlen zum Deutschen Bundestag und zum Europäischen Parlament soll das vorschlagsberechtigte Gremium unter drei aufeinanderfolgenden Listenplätzen jeweils mindestens eine Frau vorschlagen.“ Die Satzung erlaube eine Außerkraftsetzung nicht, sagte Wölfer: „Ein ,Nein, das geht nicht‘ kann von uns nicht mehr akzeptiert werden.“ Die frühere Staatssekretärin für Frauen- und Gleichstellungsfragen (1990 bis 1994), Carmen Niebergall, spricht von der „frauenfeindlichsten Liste aller Zeiten. Wir müssen uns dagegen aufbäumen!“

Die Vorschlagsliste der Frauen Union wirbelt die Empfehlungen des Landesvorstands kräftig durcheinander. Zwar wird das Regionalprinzip weitestgehend eingehalten. Dieses sieht vor, dass den Kreisverbänden je nach Mitgliederstärke bestimmte Plätze für ihre Kandidaten zugeordnet werden. Doch zugleich wird die von den Kreisverbänden festgelegte Reihenfolge ihrer Kandidaten gekippt. Das bedeutet, dass etwa der auf der Vorstandsliste Drittplatzierte, Lars-Jörn Zimmer, nun auf Rang 27 einsortiert wird.

Frauen auf vordere Plätze

Dafür kämen Frauen auf vordere Plätze. Aber: Viele von ihnen erfuhren erst am Dienstag von der Alternativliste. Das bestätigten etwa die jetzt auf den Rängen vier und fünf gesetzten Angela Gorr und Sandra Hietel. Auch die Altmärkerin Xenia Schüssler sagte, mit ihr sei nicht über die neue Liste gesprochen worden. Sie halte es für „nicht sachdienlich“, wenn der Vorschlag des Vorstands geändert werde.

Am Abend beschloss der Landesvorstand, dass die Gardelegerin Sandra Hietel auf Rang zwei der Landesliste gesetzt werden soll. Zuvor hatte Ex-Parteichef Holger Stahlknecht auf diesen Platz verzichtet. Der Vorschlag der Börde-CDU, Eileen Koch auf Rang zwei zu setzen, fiel im Vorstand durch.