Magdeburg/Erfurt (dpa) l Angesichts stetig sinkender Mitgliederzahlen muss sich die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) aus Sicht von Landesbischöfin Ilse Junkermann deutlich wandeln. "Wir sind weiter in dem Abwärtstrend was die Mitgliederzahlen angeht. Wir verlieren jährlich weiterhin im Durchschnitt 20.000 Gemeindeglieder", sagte Junkermann der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. "Aber wir bleiben ja in der Fläche präsent und es bedeutet, das Ende der bisherigen Lösungen ist erreicht." Die EKM hat nach eigenen Angaben aktuell 712.000 Mitglieder in Thüringen, Sachsen-Anhalt und kleinen Teilen Sachsens und Brandenburgs.

Den Wandel habe sie mit der Kirche schon angestoßen, betonte Junkermann, die 2019 aus dem Amt scheidet. "Das ist etwas, was mir auch wirklich gut gelungen ist, den Impuls zu setzen und zu sagen, es geht so nicht mehr, lasst uns neu denken. Also das Stichwort vom Rückbau zum Umbau. Da gibt es wirklich viele neue Aufbrüche." Es seien Erprobungsräume für innovative Ideen eingerichtet worden. Seit 2016 geht es dabei etwa um die Zusammenarbeit ländlicher Gemeinden, eine Teamleitung für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter oder Entlastungen für Pfarrer, damit diese sich auf Gottesdienste und Seelsorge konzentrieren können.

Fehler sind erlaubt

"Wir werden Fehler machen, vieles wird nicht gelingen. Aber bei manchem wird doch rauskommen, es wird gelingen. Und vor allem wird herauskommen: Wenn wir Schwerpunkte setzen, können wir anderes lassen und müssen nicht bis zur Erschöpfung arbeiten", sagte Junkermann.

Die Veränderung werde vor allem von vielen jungen Pfarrerinnen und Pfarrern transportiert. "Wir haben die letzten Jahre immer zwischen 20 und 30 pro Jahrgang gehabt. Wir haben mehr Bewerber gehabt und gesagt, die nehmen wir auch auf, obwohl es nicht in unserer Planung war. Und die sind durchweg voller guter Ideen. Sie leiden auch nicht darunter, wie die Situation ist, sondern sagen, da kann man gestalten." Allerdings sei die Belastung der Mitarbeiter vor Ort sehr hoch.

Das Jahr 2009, in dem Junkermann ihr Amt antrat, war auch das erste nach der Fusion der Kirchenprovinz Sachsen und der Thüringer Landeskirche zur EKM. "Meine Hauptaufgabe, wie ich sie mir vorgenommen hatte, die Fusion zu begleiten auf der ersten Wegstrecke - ich denke, das ist gut gelungen." Junkermann ergänzte: "Wir haben eine vollständige Rechtsangleichung. Viele Gesetze wurden neu geschrieben, wo sie unterschiedlich waren. Das ist sehr wichtig, dass es eine gute Struktur gibt."