Magdeburg l Auch nach dem Selbstmord-Attentat auf ein Pop-Konzert in Manchester mit 23 Toten sieht das Innenministerium das Land für den Kirchentag in Wittenberg gut gerüstet: „Die Ereignisse von Manchester werden in die Lagebeurteilung einfließen.“ Auch beim größten christlichen Glaubensfest des Jahres in Europa ist ein terroristischer Akt nicht auszuschließen.

Mit den zentralen Feierlichkeiten zum 500. Jubiläum der Reformation in der Lutherstadt steht den Sicherheitskräften am Himmelfahrts-Wochenende einer der größten Einsätze seit Jahren bevor. Erwartet werden bis zu 200.000 Besucher. Wie das Innenministerium mitteilte, werden allein 3000 Polizisten im Einsatz sein. 1800 Beamte kommen aus Sachsen-Anhalt, die übrigen werden aus anderen Bundesländern zusammengezogen.

Die Polizei sieht dabei trotz des Anschlags in England keine konkrete Gefährdungslage. Ein besonderes Auge werde man aber auf private Wachschutzunternehmen haben, sagte Ralf Moritz, Sprecher der zuständigen Regionaldirektion Ost.

300 Soldaten helfen

Bei der Eröffnung der Weltausstellung zum Reformationsjubiläum am vergangenen Sonnabend waren den Beamten sechs Männer aufgefallen, die sich nicht ausweisen konnten. In Wittenberg sind neben einer Reiterstaffel mehrere hundert Bundespolizisten im Einsatz. Auch die Bundeswehr ist mit knapp 300 Soldaten vor Ort. Sie errichtet ein Feldlazarett mit Betten für bis zu 50 Notfall-Patienten, sagte Sprecher Thomas Poloczek. Pioniere aus Havelberg werden zudem eine Pontonbrücke über die Elbe schlagen. Über sie sollen Fußgänger aus der Altstadt auf das Festgelände gelangen.

Das mehrere Hektar große Areal wird für die Feierlichkeiten umzäunt. Vor Beginn der Veranstaltungen wird das Gelände nach gefährlichen Gegenstände abgesucht. Nach der Eröffnung wird es an allen drei Eingängen Taschenkontrollen geben, so die Polizei. Um Störungen schnell zu erkennen, sind im Stadtgebiet 15 Videokameras installiert. Von Freitag bis Montag gilt zudem ein Überflugverbot. Es umfasst neben Hubschraubern und Flugzeugen auch Drohnen.

„Um die Sicherheit zu gewährleisten haben wir in Abstimmung mit den Behörden alles Denkbare unternommen“, sagte Christof Vetter vom veranstaltenden Verein Reformationsjubiläum. Kirchentagspräsidentin Christina Aus erklärte vor dem Manchester-Attentat: „Wir tun unser Möglichstes, lassen uns aber nicht einschüchtern.“ Man brauche keine vollständige Sicherheit, um fröhlich feiern zu können.

Restrisiko bleibt

Vor den Feiern in Wittenberg laden ab morgen acht mitteldeutsche Städte sowie Berlin zu regionalen Kirchentagen ein. Allein in Magdeburg erwarten die Veranstalter bis zu 20.000 Besucher. Höhepunkt ist am Freitagabend eine Schiffsprozession am Petriförder. Um das Einschleusen gefährlicher Gegenstände wie Schusswaffen zu verhindern, wird es Einlasskontrollen geben.

Auch für den Magdeburger Kirchentag hat die Polizei ein umfangreiches Sicherheitskonzept erarbeitet. „Mit Blick auf die Ereignisse in Manchester ist die Aufmerksamkeit gestiegen“, sagte Sprecher Mike von Hoff. Von einer erhöhten Gefahr gehen die Beamten zwar auch in Magdeburg nicht aus. Ein Restrisiko aber bleibe immer.