Magdeburg l Mehr Kinder in den Kitas, längere Betreuungszeiten, mehr Geld für die Erzieher – deshalb sind die Kita-Kosten in Sachsen-Anhalt seit dem Jahr 2012 stark gewachsen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Zentrums für Sozialforschung Halle e.V. im Auftrag des Sozialministeriums. Die Wissenschaftler haben das Kinderförderungsgesetz monatelang durchleuchtet. Die Untersuchung ist heute Thema im Kabinett. Der Volksstimme liegen die Ergebnisse bereits vorab vor.

Ein 8-Stunden-Platz in der Krippe kostete 2016 rund 11.550 Euro pro Jahr – 2012 waren es noch 8699 gewesen. Für einen 8-Stunden-Platz im Kindergarten fallen aktuell rund 5829 Euro an. Knapp die Hälfte davon teilen sich Land und Landkreise, das bleibende Defizit müssen Eltern und Kommune tragen. Die Studienautoren empfehlen, dieses Finanzierungssystem beizubehalten. Ihr Fazit: „Die Kostenbeiträge bewegen sich im bundesweiten Rahmen.“ Obwohl ein Krippenplatz um 2850 Euro teurer geworden ist, zahlen Eltern prozentual weniger: Ihr Anteil an den Gesamtkosten ist von 20 auf 17 Prozent gesunken. Das Land schultert dagegen nun 36 statt 16 Prozent.

Erzieher verdienen mehr

Dass viele real dennoch tiefer in die Tasche greifen müssen (Krippenplatz: 180 bis 240 Euro im Monat), hängt vor allem mit Tarifsteigerungen zusammen. Viele Erzieher verdienen rund 300 Euro mehr im Monat als noch 2012.

Die Studie gibt erstmals auch vollständig Aufschluss darüber, wie lange die Kinder in Sachsen-Anhalt in die Kita gehen: Die durchschnittliche Betreuungszeit liegt in der Krippe (0 bis 3 Jahre) bei 42 Wochenstunden und 43 Stunden im Kindergarten (3 bis 6 Jahre) – und damit deutlich über den Berechnungen des Landes, das seine Finanzanteile bisher auf der Grundlage von 40 Stunden pro Woche ausreicht. Außerdem werden rund 8500 Kinder mehr betreut als noch 2013.

Ministerin will investieren

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) verspricht Eltern und Kommunen mehr Geld. „Wir werden unsere Pauschalen erhöhen“, sagte sie der Volksstimme. Rund 31 Millionen Euro will das Land im Herbst zusätzlich in die Hand nehmen – schon jetzt fallen 2016 rund 330 Millionen Euro für die Kinderbetreuung an.

Grimm-Benne stemmt sich gegen eine Spardebatte. „Ich will eine Qualitätsdebatte. Die anderen Bundesländer investieren massiv, da können wir nicht zuschauen“, sagte sie.

In einem zweiten Schritt sollen Eltern mit mehreren Kindern ab August 2018 nur noch für das älteste Kind Kita-Beiträge zahlen und Verbesserungen für Erzieher realisiert werden. Denn die Studie belegt auch, dass die Krankheitstage stark zugenommen haben. Fiel das pädagogische Personal im Jahr 2012 im Schnitt noch 15 Tage pro Jahr aus, waren es 2016 rund 23 Tage – eine Steigerung um 53 Prozent.