Magdeburg l Wenn Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) heute in Halle den „Gute-Kita-Vertrag“ unterzeichnet haben, öffnet sich der Geldhahn. Sachsen-Anhalt erhält aus der Bundeskasse 140 Millionen Euro für eine verbesserte Kinderbetreuung. Die Schatulle öffnet sich für alle Länder; jedes entscheidet, wie es die Gelder einsetzt.

Sachsen-Anhalt will vor allem die Eltern von den monatlichen Kosten weiter entlasten, da diese in den letzten Jahren rapide gestiegen waren. Ab 2020 gilt: Wer Kinder in der Schule und zugleich in der Kita hat, zahlt nur noch den Hort-Beitrag. Der liegt deutlich unter den Preisen für Kindergarten oder Krippe. Im Landesmittel kostet ein Hortplatz monatlich 75 Euro. Für einen Ganztagsplatz in der Kita sind im Schnitt 156 Euro fällig. Die Betreuung beider Kinder schlägt bislang monatlich mit 226 Euro zu Buche. Ab nächstem Jahr sind es nur noch 70 Euro – im Landesmittel. Da jede Gemeinde ihre eigene Preistabelle hat, variieren auch die Einsparungen. Und: Sind beide Kinder im Hort, sind dann aber für beide Hort-Beiträge fällig.

Gesunken sind in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr bereits die Beiträge für Kita und Krippe. Seit Januar gilt, dass nur noch für das Älteste bezahlt wird – die Betreuung für die jüngeren Geschwister ist frei. Kommt das Ältere in Schule und Hort, springt die monatliche Belastung derzeit aber noch deutlich hoch. Beispiel Wernigerode: Das Ältere war bis Juli ganztags in der Kita, das Jüngere in der Krippe. Monatsbeitrag: 163 Euro. Jetzt, nach der Einschulung, sind 309 Euro fällig. Mit der neuen Regelung sind es ab Januar nur noch 82 Euro.

Ein Teil der Bundeshilfen wird für Erzieherinnen eingesetzt. So müssen sie für ihre Ausbildung kein Schulgeld mehr zahlen. Etwa die Hälfte der Gelder jedoch fließt in die Familienentlastung. Der Bedarf dürfte hoch sein, da in Sachsen-Anhalt das Hortangebot bis zum Abschluss der 6. Klasse gilt. Das Sozialministerium schätzt, dass Familien mit etwa 60.000 Kindern profitieren.

Finanziell gesichert ist die Offerte vom Bund bis 2022. Das kritisiert die Opposition. „Wir fordern die Landesregierung auf, diese Unterstützung weiterzufinanzieren, selbst wenn der Bund keine Gelder mehr gibt“, sagt Sozialpolitikerin Monika Hohmann von der Linken.

Betreiber erwarten, dass künftig mehr Kinder den Hort nutzen – auch in den schwach nachgefragten Klassen 5 und 6. „Diesen Effekt wird es sicherlich geben“, sagte Frieder Weigmann von der Diakonie Mitteldeutschland. Denn: Sobald Eltern ein Hortkind anmelden, bekommen sie den Kita- oder Krippenplatz für die Jüngeren gratis.