Magdeburg l „Was hältst du von Meghan?”, fragte mich eine deutsche Freundin. Wen meinte sie nur? Mit einer Meghan hatte ich schon ewig nicht mehr gesprochen. „Meghan wer?”, antwortete ich.

Spott über Königsfamilie

Für ein paar Sekunden wurde es unangenehm still. Erst später kapierte ich, dass die Freundin Zeit brauchte, um herauszufinden, ob ich gerade etwa eine spöttische Bemerkung über die Königsfamilie gemacht hatte. Ob es mein britischer Humor war, oder ob ich einfach nur zu langsam begriffen hatte, wen sie meinte.

Während die drei deutschen Freunde an dem Café-Tisch ihr Fachwissen über Meghan - Markle natürlich - und ihre Hochzeit mit Harry austauschten, dachte ich über mein Desinteresse gegenüber den Royals nach. Meine Freunde hatten angenommen, dass ich mich bestens auskenne: Dass ich den neuesten Klatsch liefern würde und eine ausgeprägte Meinung zu Meghans Garderobe hätte. Sie erwarteten auch, dass ich außer mir vor Freude wäre über den anstehenden 70. Geburtstag von Prinz Charles. Aber leider musste ich sie enttäuschen.

Royals da und weit weg

Für mich war die britische Königsfamilie schon immer da – aber gleichzeitig auch ganz weit weg. Die Royals sind für mich etwas, über die ich mir etwa so viele Gedanken mache wie über Wolken oder Australien. Nach der Unterhaltung fragte ich mich, ob mein Desinteresse normal ist. Ich fragte meine britischen Freunde auf Facebook. Folgendes habe ich herausgefunden:

Insgesamt scheine ich nur zwei Freunde zu haben, die sich öffentlich zur Königsfamilie bekennen. Einer von ihnen betonte die wichtige Rolle der Königin als „Hüterin der Verfassung” - eine Figur, die „über der Politik” steht. Aber wie viele wollen das Königshaus abgeschafft wissen? Wenn ich nach meinen Facebook-Freunden gehe, dann einige. Einer wollte sogar eine Revolution vergleichbar mit der französischen. Doch die meisten waren zwiegespalten oder ähnlich desinteressiert wie ich. „Sie langweilen mich und ich sehe in ihnen keinen Sinn”, schrieb eine Freundin. Trotzdem, so räumte sie ein, würde sie einige Events durchaus mit einer Flasche Champagner feiern. „Sie sind für nichts gut, außer als Touristen-Attraktion und Stoff für Boulevard-Blätter”, schrieb ein anderer Freund.

Aber vielleicht ist das okay so. Denn eine andere Freundin schrieb, dass die Royal-Seiten die ersten sind, die sie in Klatsch-Zeitschriften beim Frisör aufschlägt. Etwa, um sich über Prinz Georges ersten Schultag zu informieren oder darüber, wie man Meghans Sommersprossen nachmalen kann.

„Für mich ist es ein Konflikt”, äußerte sich eine andere Freundin: „Einerseits sind sie das Überbleibsel einer ungerechten Klassenhierarchie. Auf der anderen Seite finde ich Harry und Meghan hinreißend. Was kann ich sagen. Ich verabscheue die Institution, aber ich mag einige der Leute, die dahinterstecken.

Und tatsächlich dachten die meisten meiner Freunde so darüber. Die Monarchie verteidigten die wenigsten. Aber die Royals an sich? Gegen die gab es wenig Einwand. Zumindest keinen, der eine Revolution rechtfertigen würde. Zwar hat keiner meiner Freunde mit „Meghan wer?” geantwortet, aber ich war erleichtert. Offenbar bin ich nicht alleine mit meinem mangelnden Interesse am Königshaus. Das mag für meine deutschen Freunde schwer verständlich sein. Aber vielleicht ist der Gedanke, eine Königin zu haben, spannender in einem Land, das selbst keine hat.

Auch frage ich mich, ob das schwierige Verhältnis zu unseren Royals besonders britisch ist. Ich meine, unser Staatsoberhaupt hat den Job nur bekommen, weil sie die richtigen Eltern hatte. Und ja, wir sind alle dazu verpflichtet, diesen eh schon steinreichen Menschen über unsere Steuern Geld zu geben. Was soll’s. Solange sich die ganze Welt über eine 45-Millionen-Pfund-Hochzeit freuen kann, machen wir das doch gerne.