Magdeburg l Als das Geschäft auf Hochtouren lief, knallten auf dem Industriegelände in Burg (Jerichower Land) mitunter die Champagner-Korken. Jetzt enden die Millionen-Träume der Ganoven einmal mehr auf der Anklagebank im Magdeburger Landgericht: Am Dienstag beginnt ein weiterer Prozess gegen Mitglieder der Dieselbetrüger-Banden. Zwei weitere Verfahren laufen bereits. Ermittler der Staatsanwaltschaft Stendal gehen davon aus, dass die Angeklagten mit ihren Geschäften zwischen 2010 und 2014 insgesamt einen Steuerschaden in Höhe von 98 Millionen Euro verursacht haben.

Das Steuerspar-Modell funktionierte so: Die Gauner gaben gegenüber den Behörden vor, steuerbefreite Schmieröle – wie etwa Imprägniermittel oder Schalöle – für die Industrie herzustellen. Tatsächlich sollen die Angeklagten herkömmlichen Diesel und Heizöl in den Tanks gemischt und verkauft haben. Weil sie die Produkte nicht als Treibstoff deklarierten und gefälschte Zertifikate beim Zoll vorlegten, sparten sich die Banden die fällige Energiesteuer. Erst kurz vor Lieferung an Endkunden, die häufig in Osteuropa saßen, sollen die Gangster den Inhalt der Tanks korrekt ausgewiesen haben.

Pole im Mittelpunkt

Bei dem am Dienstag beginnenden Prozess steht ein 33 Jahre alter Pole im Mittelpunkt. Zwischen Juli 2010 und Juni 2011 haben die Ermittler 110 Straftaten gezählt. Sieben Millionen Euro soll er dabei gemeinsam mit zwei weiteren Angeklagten an der Steuer vorbei verdient haben. Bei einer Verurteilung droht dem Haupt-Täter eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Doch die Aufarbeitung ist aufwendig. Das Gericht muss den Tätern jede einzelne Lieferung nachweisen. Das Problem: Die Buchführung der Kriminellen war mangelhaft. Lieferscheine wurden gefälscht. Kunden im Ausland sind häufig nicht mehr aufzutreiben.

Das größere Verfahren, bei dem es um einen Steuerschaden von rund 78 Millionen Euro geht, läuft bereits seit September des vergangenen Jahres. 5600 Straftaten legt die Staatsanwaltschaft den Tätern zwischen Januar 2012 und Oktober 2014 zur Last. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen, sagte der Sprecher des Magdeburger Landgerichts, Christian Löffler.