Halle/Magdeburg/Dessau(dpa) l Es nennt sich Patienten-Entertainment und soll den Krankenhausaufenthalt angenehmer machen. Kliniken in Sachsen-Anhalt rüsten mittlerweile digital auf und statten ihre Einrichtungen mit Multimedia für die Patienten aus. Dabei gehen sie unterschiedliche Wege, wie eine dpa-Umfrage ergab. Das Universitätsklinikum in Halle etwa bietet ambulanten Patienten sowie Besuchern kostenloses WLAN, um Wartezeiten abwechslungsreicher zu machen. Direkt am Krankenbett gibt es 13-Zoll-Tablets zum Fernsehen, Radiohören, Telefonieren oder um im Internet zu surfen.

Die Bedienung über den berührungsempfindlichen Bildschirm werde auch von älteren Patienten gut angenommen, sagte Frank Dietz, am Klinikum für Information und Kommunikation zuständig. Installiert wurden 1000 Tablets. Einige Angebote sind kostenlos. Zusatzfunktionen können dazu gebucht werden. Rund 1,7 Millionen Euro aus Fördermitteln des Wissenschaftsministeriums hat das Klinikum investiert.

Auch am Universitätsklinikum Magdeburg sind auf den Stationen die Patientenbetten mit Multimediaterminals ausgestattet. Außerdem gibt es einen gebührenfreien WLAN-Zugang für private Geräte. "Patienten wünschen sich bei einem Klinikaufenthalt neben einer sehr guten medizinischen Versorgung einen angenehmen Service bei der Unterbringung. Dazu gehört auch ein entsprechender Komfort zur medialen Kommunikation", betonte der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Jan L. Hülsemann.

Kostenloses Multimediaangebot

Die Finanzierung erfolgt über einen sogenannten Gestattungsvertrag, wonach eine Firma 1000 Terminals installiert hat und nun betreibt. Dafür kassiert sie Nutzungsgebühren. Der Kinderkanal von ARD und ZDF ist frei, und die kleinen Patienten der Kinderonkologie können das gesamte Multimediaangebot kostenlos nutzen.

"Patienten-Entertainment ist ein Service- und Komfortaspekt am Krankenbett, den unsere Patienten von uns erwarten", sagte der Sprecher des konfessionellen Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara in Halle, Jan-Stephan Schweda. Auf den Stationen des Hauses gibt es das IT-Angebot flächendeckend am Krankenbett. "Für das System haben wir einen hohen sechsstelligen Betrag aus Eigenmitteln investiert", so Schweda. WLAN gibt es noch nicht kostenlos. Aber daran werde gearbeitet. Das Problem: Der von der Bundesregierung vorangetriebene Ausbau der Netze und der Bandbreiten sei in Halle noch nicht im gewünschten Maß angekommen.

Im Städtischen Klinikum Dessau gibt es ein kostenfreies WLAN-Netz im Wartebereich der Notaufnahme, über eine Ausweitung wird aktuell nachgedacht. Am Krankenbett können Patienten ihre eigenen Mobilgeräte nutzen. Das Sozialministerium Sachsen-Anhalts stellt nach eigenen Angaben aktuell pro Jahr eine Pauschalförderung von insgesamt 24,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderung fällt je nach Krankenhaus unterschiedlich aus. Da es für den Krankenhausbetrieb nicht erforderlich sei, Patienten mit Telefonen und Tablets auszurüsten, sei eine Einzelförderung ausgeschlossen, hieß es im Ministerium.

"Zur Sicherstellung einer flächendeckenden und den aktuellen Ansprüchen genügenden digitalen Ausstattung der Krankenhäuser muss zwingend die bestehende Finanzierungslücke geschlossen werden", betonte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt, Gösta Heelemann. Aufgrund des anhaltenden Investitionsstaus – allein in den Krankenhäusern Sachsen-Anhalts betrage er mittlerweile fast 900 Millionen Euro – gebe es auch in Sachsen-Anhalt bei den IT-Infrastrukturen noch Nachholbedarf. "Deshalb halten wir ein mehrjähriges Sonderprogramm "Digitales Krankenhaus" des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro pro Jahr für unbedingt erforderlich", unterstrich Heelemann.