Magdeburg (dpa) l Patienten in Sachsen-Anhalt fragen zunehmend nach Cannabis als Medizin nach. "Das Patienteninteresse an Cannabis-Arzneimitteln ist seit der Gesetzesänderung deutlich spürbar", sagte der Sprecher der AOK Sachsen-Anhalt, Sascha Kirmeß, der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. In diesem Jahr seien knapp mehr als 100 Anträge auf Kostenübernahme eingegangen, im Vorjahr seien es 16 gewesen. Auch die Barmer verzeichnet eine spürbare Zunahme der Anträge, wie Sprecher Thomas Nawrath sagte. "Darunter sind auch etliche Anträge, die nicht oder nicht ausreichend medizinisch indiziert waren."

Seit März haben gesetzlich Krankenversicherte einen Anspruch darauf, dass ihre Kasse unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Medikamente auf Cannabis-Basis übernimmt. Damit soll der Schmerz schwer kranker Menschen besser gelindert werden. Zuvor mussten die Patienten eine Erlaubnis beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einholen.

Krankenkassen und Ärzten fehlt Erfahrung

AOK-Sprecher Kirmeß betonte, dass Krankenkassen und Ärzte vor Herausforderungen stünden, weil es bislang keine Erfahrungen in diesem Bereich gebe. "Deshalb lassen wir jeden Fall durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) sorgfältig prüfen." Somit seien von gut 100 Anträgen 56 genehmigt worden, in 17 Fällen gebe es noch keine Entscheidung. 31 Anträge seien abgelehnt worden. Viele Anträge entsprächen nicht den gesetzlichen Voraussetzungen oder es sei eine alternative Therapie möglich gewesen. Auch die Barmer schaltet den MDK für die Prüfung ein, wie Sprecher Nawrath sagte. Es habe 22 Genehmigungen und 20 Ablehnungen gegeben.

Die Techniker Krankenkasse wertet laut einer Sprecherin nicht aus, in welchen Ländern die Anträge eingehen, bundesweit seien es im ersten Halbjahr 863 gewesen. Aktuell seien davon 522 genehmigt worden.

Der MDK hat einer Sprecherin zufolge keine validen Zahlen zu den Aufträgen und Begutachtungsergebnissen zu Cannabis-Verordnungen, die auch andere, kleinere Krankenkassen einbeziehen würden.

Von der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt hieß es, es gebe mehr Rückfragen der Apotheker zu Cannabis-Verordnungen. Daten zu den ausgegebenen Mengen lägen aber nicht vor, sagte eine Sprecherin.