Magdeburg l Volle Arztpraxen, leere Kitas, verwaiste Büros – die Grippesaison 2018 hat Sachsen-Anhalt mit voller Wucht erwischt. Allein zwischen 19. und 25. Februar 2018 meldete das Landesamt für Verbraucherschutz 3023 nachgewiesene Fälle im Land. Zwischen 26. Februar und 1. März sind mehr als 2600 neue hinzugekommen.

Kein Ende des Anstiegs

Sieben Sachsen-Anhalter sind an den Folgen der Infektion verstorben. Fast jedes fünfte Kindergartenkind musste zu Hause bleiben, an einer einzigen Schule im Landkreis Stendal sind 182 Kinder erkrankt. Ein Ende des Anstiegs ist nicht absehbar. „Die aktuellen Zahlen deuten nicht darauf hin“, sagt Landesamtsprecherin Peggy Wießner. „So viele Grippe-Erkrankte gleichzeitig hatten wir noch nie“, sagt Thomas Nawrath, Sprecher der Krankenkasse Barmer. Jeder sechste Patient müsse sogar stationär behandelt werden.

Im besonders betroffenen Süden von Sachsen-Anhalt hat die Zahl der Fälle Ärzte und Krankenhäuser an ihre Grenzen gebracht: Das wegen Bauarbeiten mit verminderter Bettenkapazität ausgestattete Burgendlandklinikum in Zeitz verhängte am Wochenende vorübergehend einen Aufnahmestopp. An der Uni-Klinik Halle sind die 26 Betten einer eigens eingerichteten Grippe-Station seit zehn Tagen voll belegt, sagte ein Sprecher. Vier Patienten liegen auf der Intensivstation.

Bilder

Auch im Norden von Sachsen-Anhalt hat die Zahl der Infektionen drastisch zugenommen. „Wir zählen 40 Fälle pro Woche“, sagt Professor Gernot Geginat vom Uni-Klinikum Magdeburg. Zum Vergleich: In derselben Woche des Vorjahres waren es nur 20. Aufnahmestopps drohen aber weder am Uni-Klinikum noch in anderen Häusern wie dem Harzklinikum oder dem Stendaler Krankenhaus. „Wir beobachten zwar mehr Fälle“, sagt Experte Geginat. Die in diesem Jahr von B-Virenstämmen verursachte Grippe treffe aber überwiegend Menschen ab 35 und verlaufe im Schnitt weniger schwer als Influenza mit A-Viren. Die meisten Patienten könnten daher ambulant behandelt werden.

Einschränkungen bei Verkehrsbetrieben

Auswirkungen aufs öffentliche Leben gibt es dennoch: Bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben etwa gibt es Einschränkungen auf mehreren Linien. Jeder fünfte Mitarbeiter ist krank, sagt Sprecher Tim Stein. „Wir versuchen Engpässe mit jedem auszugleichen, der einen Führerschein hat.“ Erhöhte Krankenstände melden auch die Bahn, die Post oder die Agentur für Arbeit. Bislang sei es nicht zu Zugausfällen gekommen, sagte etwa ein Bahnsprecher. Um diese zu vermeiden, würden Schichten getauscht und Lokführer gebeten, ihren Urlaub zu unterbrechen. Das Robert-Koch-Institut rät derweil vor allem Älteren, chronisch Kranken und Schwangeren weiter zur Impfung. Zwar dauere es zwei Wochen bis zum Aufbau des Impfschutzes, die Grippewelle werde aber mindestens noch sechs Wochen andauern.