Magdeburg l Ein Trickbetrüger knöpfte einer Seniorin in Allstedt (Mansfeld-Südharz) 15.000 Euro ab. Der Mann gab sich am Telefon als Enkel der 85-Jährigen aus. Er bat die Frau um Geld für den Kauf einer Eigentumswohnung – und bekam es auch. In Stendal fahndet die Polizei mit einem Phantombild nach einem Mann, der eine 87-jährige Frau mit diesem Trick um 13.000 Euro gebracht hat.

Die Zahl solcher Betrügereien geht nach oben. Waren es in Sachsen-Anhalt vor drei Jahren noch 2734 von der Polizei registrierte Fälle, so stieg die Zahl 2018 auf 3799 an. Bis Ende März dieses Jahres wurden bereits 1010 Fälle verbucht.

Viele Versuche würden erst gar nicht angezeigt, sagt Ilona Wessner von der Polizeiinspektion Magdeburg, zuständig für die Landeshauptstadt, den Salzlandkreis und den Harz. Die Kriminalrätin beschäftigt sich seit Jahren mit dem kriminellen Phänomen „Enkeltrick“. „Obwohl Polizei und Medien immer wieder diesen perfiden Trick thematisieren, fallen leider immer wieder ältere Menschen darauf rein“, sagt sie. Was wohl auch daran liege, dass es inzwischen nicht nur die herkömmliche Methode gebe, bei der ein „Enkel“ Oma oder Opa anrufe und um Hilfe in einer Notsituation bitte. „Inzwischen rufen auch „Rechtsanwälte“, „Vermieter“ und „Polizisten“ an, weiß Wessner.

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Falsche Polizisten

„Wir haben einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt“ – so begann etwa ein Betrüger seine Geschichte, so die Kriminalrätin. „Er hatte angeblich ein Notizbuch bei sich – mit Namen und Adressen. Auch des Betroffenen. Der falsche Polizist riet seinem Opfer, alle Wertgegenstände und Geld einem (falschen) Beamten auszuhändigen, damit bei einem möglichen Einbruch nichts zu holen sei.

Es sei sogar schon vorgekommen, dass empfohlen wurde, Geld unter einem Baum im Garten zu vergraben, sagt Wessner . Und der Senior versteckte eine fünfstellige Summe tatsächlich dort. Auch der Anruf eines „Rechtsanwaltes“, der warnt, dass das Geld auf dem Sparkassen-Konto aufgrund von geplanten Betrügereien nicht mehr sicher sei, veranlasse manche Rentner, ihre Barschaft – wie vom Anrufer empfohlen – abzuheben und zu Hause „sicher“ aufzubewahren. Dort wird das Geld dann gestohlen.