Halle (dpa) l Bei mehr als einem Viertel aller Fälle der Beratungsstelle Weißer Ring in Sachsen-Anhalt ging es 2018 um die Opfer von Körperverletzungen. 94 Mal wurden die Mitarbeiter deswegen aktiv, sagte Sprecher Jörg Bethmann. Insgesamt unterstützte der Weiße Ring 219 Hilfesuchende – 40 mehr als im Vorjahr.

Neben Körperverletzungen beschäftigten die Ehrenamtler 2018 viele Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch, Vergewaltigungen und andere Sexualdelikte sowie Stalking, Wohnungseinbrüche und Raub. Sieben mal ging es zudem um Tötungsdelikte. "Immer mehr Menschen wenden sich direkt an uns", sagte Bethmann. Früher sei ein Großteil von der Polizei vermittelt worden. Trotz des Zuwachses wünsche er sich, dass sich noch mehr Menschen melden. "Wir können das stemmen, wir haben genug Personal."

Während die Spendensumme 2018 im Vergleich zum Vorjahr um gut 16 Prozent auf fast 20 200 Euro stieg, sank die Zahl der von Straftätern gezahlten Geldauflagen. "Hier haben wir ein Minus von 37,6 Prozent", sagte Bethmann. Wenn Verurteilte Geldbußen zahlen müssen, entscheidet der Richter, an welche Organisation die Summe geht. Deswegen will der Verein 2019 präsenter in den Gerichten sein. "Beim Weißen Ring arbeiten fast ausschließlich Ehrenamtliche, die keine Aufwandsentschädigung bekommen", erklärte Bethmann. Darum würden die Mittel auch tatsächlich in den Opferschutz fließen. "Das müssen wir in diesem Jahr bei den Verantwortlichen öfter deutlich machen."

Wann der Landesverband einen neuen Vorsitz wählt, ist Bethmann zufolge noch unklar. "Für Neuwahlen gibt es keinen Zeitdruck", sagte er. Geplant ist, dass Stellvertreterin Kathrin Schmidt noch mindestens bis Mai die Führung übernimmt. Der bisherige Vorsitzende Rüdiger Buhlmann hatte sein Amt aus persönlichen Gründen im Februar niedergelegt.

Der Weiße Ring ist bundesweit aktiv. Er wurde 1976 gegründet und unterstützt Opfer von Verbrechen mit Beratung, persönlicher Betreuung und finanziellen Mitteln.