Spatenstich

Baustart für Magdeburgs Synagoge

Fast 84 Jahre nach Zerstörung der alten Magdeburger Synagoge erhält die Landeshauptstadt ein neues, jüdisches Gotteshaus. Es ist der erste Komplett-Neubau einer Synagoge in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung.

Von Alexander Walter Aktualisiert: 05.05.2022, 20:24 • 05.05.2022, 17:37
Wadim Leiter, Vorsitzender der Magdeburger Synagogen-Gemeinde, Ministerpräsident Reiner Haseloff und Bauunternehmer Frank Toepel beim ersten Spatenstich. Im Zentrum von Magdeburg soll bis Ende 2023 eine neue Synagoge entstehen.
Wadim Leiter, Vorsitzender der Magdeburger Synagogen-Gemeinde, Ministerpräsident Reiner Haseloff und Bauunternehmer Frank Toepel beim ersten Spatenstich. Im Zentrum von Magdeburg soll bis Ende 2023 eine neue Synagoge entstehen. Foto: dpa

Magdeburg - Lange mussten Gemeinde und Förderverein auf diesen Tag warten – 22 Jahre sollte es von der Idee bis zum Baubeginn der neuen Synagoge in der Landeshauptstadt dauern.

Zeit genug, um das Datum des ersten Spatenstichs mit Bedacht zu wählen: Am Ende wurde es der 5. Mai – und damit der 74. Jahrestag der Gründung des Staates Israel.

Wir heilen heute eine Wunde.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU)

Für Wadim Laiter, Vorstandsvorsitzender der heute 430 Mitglieder zählenden Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg, das ideale Datum: „Heute ist ein großer Tag, ein bewegender Tag“, sagt er gestern vor Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Kirchen.

Tatsächlich könnte der Baubeginn der neuen Magdeburger Synagoge ein neues Kapitel jüdisch-deutscher Geschichte für Magdeburg wie für ganz Sachsen-Anhalt markieren. Das Projekt ist der erste Komplett-Neubau einer Synagoge in Sachsen-Anhalt seit 1990. Und es ist das erste neue jüdische Gotteshaus in der Stadt seit Zerstörung der alten Synagoge 1938 durch das Nazi-Regime – nur 200 Meter entfernt.

An der Realisierung haben Stadt, Land und Zivilgesellschaft großen Anteil: Das Land bezuschusst das 3,4 Millionen-Euro-Projekt mit 2,8 Millionen Euro. Ein Förderverein sammelte mit zahllosen Einzelspenden auch aus den Kirchengemeinden den nötigen Eigenanteil von 600000 Euro. Magdeburg schenkte der Synagogen-Gemeinde das Grundstück mitten im Zentrum.

Fertigstellung bis Ende 2023, Platz für 300 Gläubige im Gebetsraum

Entstehen soll bis Ende 2023 ein moderner, zweigeschossiger Bau mit Gebetsraum, Tagungs- und Schulungsräumen. Allein im Gebetsraum sollen dabei 300 Gläubige Platz finden.

Ministerpräsident Reiner Haseloff sagt gestern: „Wir heilen heute eine Wunde.“ Der erste Spatenstich könne Geschichte nicht ungeschehen machen. Er mache aber deutlich, dass dieses Land aus der Geschichte gelernt – und Konsequenzen gezogen habe. Der CDU-Politiker sagt das mit Blick auf die Nazi-Verbrechen – aber auch mit Blick auf die jüngere Vergangenheit.

Ich wünsche Ihnen und uns, dass es künftig nicht mehr notwendig sein wird, dass diese Synagoge bewacht wird.

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD)

Erst 2019 hatte der Rechtsextremist Stephan B. in Halle versucht, schwer bewaffnet in die dortige Synagoge einzudringen und dabei zwei Menschen außerhalb der Synagoge getötet. Das Land hat seitdem die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Gotteshäuser nicht nur in Halle deutlich erhöht.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) erklärt: „Ich wünsche Ihnen und uns, dass es künftig nicht mehr notwendig sein wird, dass diese Synagoge bewacht wird.“

Das wünscht sich auch die jüdische Gemeinde. Landesrabbiner Daniel Fabian trägt gestern den Wahlspruch vor, der den Neubau zieren soll: „Mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt“, lautet der Satz aus dem Buch Jesaja. Die Gemeinde werde ihn mit Leben erfüllen, sagt der Rabbiner. „Es ist unser Wunsch, dass dieses Haus ein Haus für alle Bürger sein wird .“