Autobahn 2

Bei Großkontrolle auf der Unfallpiste A2 nimmt Polizei Lkw ins Visier

Rund 20.000 Laster rollen täglich über Deutschlands wichtigste Ost-West-Verkehrsachse durch Sachsen-Anhalt. Die Volksstimme begleitete am Dienstag eine Kontrolle auf der A2.

Von Matthias Fricke 21.07.2021, 05:00
Polizisten kontrollieren die Ladungssicherung an diesem Sattelzug. Die acht Tonnen schweren Kranteile sind nicht ordentlich festgezurrt.
Polizisten kontrollieren die Ladungssicherung an diesem Sattelzug. Die acht Tonnen schweren Kranteile sind nicht ordentlich festgezurrt. Foto: Matthias Fricke

Magdeburg - Als der Ukrainer Dimitro Naumenko seinen Sattelzug in die Kontrollstelle lenkt, stehen gleich mehrere Polizisten bereit. Sein Auflieger hat einen großen älteren Reisebus auf der Ladefläche. Beim näheren Hinsehen in die Papiere stellen die Beamten fest: Der Bus kommt ursprünglich aus Deutschland, ist dann in die Niederlande verkauft worden und soll jetzt von dem für eine polnische Firma arbeitenden Ukrainer nach Polen gebracht werden. Ein Polizist meint: „Europa fetzt!“ Er gibt später freundlich die Papiere zurück. Es ist alles in Ordnung.

Naumenko, der aus Saporoshje kommt, schläft meist im Lkw und selten in einer festen Unterkunft, wie er im gebrochenen Englisch erzählt. Der 36-Jährige fährt zwei Monate lang für die polnische Firma durch ganz Europa. Dafür hat er dann einen Monat frei.

„Wir haben bei unseren Kontrollen immer wieder festgestellt, dass inzwischen sehr viele Ukrainer für die Polen arbeiten. Die rumänischen Firmen beschäftigen inzwischen häufiger Moldawier“, erklärt Einsatzleiter Stefan Kloß vom Zentralen Verkehrs- und Autobahndienst Börde der Polizeiinspektion Magdeburg. Hauptsächlich seien neben den Ukrainern auch sehr viele Russen und Polen „auf der Bahn“ unterwegs. Die A2 wird wohl schon deshalb seit Jahren auch Warschauer Allee genannt.

Bis zu 20.000 Laster rollen täglich auf den 85 Kilometern zwischen Ziesar und Marienborn durch Sachsen-Anhalt. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres krachte es 587 Mal auf der A2. An etwas mehr als der Hälfte der Zusammenstöße waren Lkw beteiligt. In 225 Fällen hat die Polizei den Brummifahrer als Verursacher ermittelt, weit mehr als im vergleichbaren Zeitraum der beiden Vorjahre. Besonders auffällig in den ersten sechs Monaten dieses Jahres: Die Zahl der Toten liegt mit sechs so hoch, wie im gesamten Jahr 2018. Im gesamten vergangenen Jahr gab es neun und 2019 zehn Todesopfer.

Beanstandungen an fast jedem zweiten Lkw

Sieben Kontrollteams sind an diesem Dienstag (20. Juli) auf dem Parkplatz Krähenberge auf der Nord- und Südseite der Autobahn im Einsatz, vor allem um Lkw, Busse und Kleintransporter unter die Lupe zu nehmen. Die 25 Polizisten werden vom Zoll und zwei Diensthundeführern mit einem Rauschgift- und Sprengstoffspürhund unterstützt. Ziel der Kontrolle: Lkw und Busse auf ihre Verkehrssicherheit zu überprüfen. Bereits aus den Erfahrungen der letzten Jahre wissen die Polizisten, dass bei fast jedem zweiten Fahrzeug eine Beanstandung zu finden ist. „Das wird heute auch nicht anders sein“, befürchtet Einsatzleiter Kloß.

Auch bei dem Sattelzug von Jacek Bryzik ist dies so. Der 54-Jährige aus Gliwice (Polen) hat etwa acht Tonnen schwere Kranelemente geladen und bringt sie nach Wilhelmshaven. Seit 20 Jahren fährt er unfallfrei und ohne Beanstandungen, sagt er. Diesmal nicht. Das geschulte Auge von Polizeihauptmeister Rainer Elstner sieht, dass das schwere Kranteil an zwei Stellen nicht ordnungsgemäß verzurrt ist. Wenn sich die Ladung bei dem Gewicht in Bewegung setzen sollte, dann sind schlimmste Folgen zu befürchten. „So kann ich sie jedenfalls nicht weiterfahren lassen“, sagt der Polizist. Nach längerer Verständigung mit der Firma des Mannes müssen zwei Zusatzteile her. Die Beamten zeigen sich behilflich, fahren den Mann zur nächsten Zubehör-Werkstatt nach Barleben, wo er diese kaufen kann. Erst nach etwa zwei Stunden ist alles vorschriftsmäßig am Auflieger hergerichtet und Bryzik darf seine Fahrt fortsetzen. Trotz der Umstände meint er: „Die Kontrollen sind schon wichtig.“

Insgesamt haben die Polizisten bei dem Einsatz 53 Lkw kontrolliert und fanden bei 22 eine Beanstandung. Zwei überprüfte Busse hatten keine Mängel. Unter anderem waren bei den Lkw zwölf Verstöße gegen Lenkzeiten und acht wegen unzureichend gesicherter Ladung oder Überladung entdeckt worden. Auch abgefahrene Reifen und mangelhafte Bremsen wurden geahndet.

25 Polizisten kontrollierten gestern auf der A 2 zwischen Burg und Magdeburg vor allem Lkw auf ihre Sicherheit.
25 Polizisten kontrollierten gestern auf der A 2 zwischen Burg und Magdeburg vor allem Lkw auf ihre Sicherheit.
Foto: Matthias Fricke