Kultur-Krimi

Der bei Klötze von der Polizei ausgegrabene Maya-Schatz bleibt noch im Tresor

Die in Lockstedt bei Klötze ausgegrabenen 13 Maya-Artefakte werden erst Ende Juni an Guatemala und Mexiko zurückgegeben. Das Auswärtige Amt bat um Terminverschiebung.

Von Matthias Fricke und Henning Lehmann
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hält eine der Ton-Figuren der Teotihuacán-Kultur in die Kamera. Sie wird aus der Zeit 250 bis 450 nach Christus geschätzt. Alle 13 Artefakte aus Mexiko und Guatemala sollten heute in Berlin  übergeben werden.
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hält eine der Ton-Figuren der Teotihuacán-Kultur in die Kamera. Sie wird aus der Zeit 250 bis 450 nach Christus geschätzt. Alle 13 Artefakte aus Mexiko und Guatemala sollten heute in Berlin übergeben werden. Foto: dpa

Klötze - Eigentlich sollte schon heute der von der Polizei in einem Keller bei Klötze ausgegrabene Maya-Schatz an die Botschaftsvertreter von Mexiko und Guatemala am Rande der Bundesratssitzung in Berlin übergeben werden. Doch daraus wird nichts. Sachsen-Anhalts Regierungssprecher Matthias Schuppe: „Das Auswärtige Amt hat uns um eine Terminverschiebung gebeten.“ Nun sollen die etwa 1500 Jahre alten 13 Artefakte der Maya und Teotihuacán-Kultur voraussichtlich erst am 25. Juni übergeben werden. Der Grund: Auch in Mexiko wird am 6. Juni gewählt und das Thema Raubgräber in Zusammenhang mit den Mayas wahrscheinlich hochemotional aufgenommen. Schuppe: „Wir kommen der Bitte natürlich nach.“

Vor einigen Monaten hatte sich ein in Frankreich lebender 67-Jähriger selbst bei der Polizei in Salzwedel angezeigt und das Versteck im Keller seines Elternhauses beschrieben. Er gab an, zwei alte Waffen in einem Kunststoffbehälter versteckt zu haben. Die Ermittler fanden dabei auch die 13 reichlich verzierten bunten Tonfiguren, Geschirr und Scherben.

Der renommierte Maya-Experte Professor Nikolai Grube bestätigte in einem Gutachten der Staatsanwaltschaft Stendal deren Echtheit. Auf dem Schwarzmarkt könnte dafür eine Summe in sechsstelliger Höhe erzielt werden. Die Ermittlungen wegen des Waffendeliktes wurden eingestellt, weil die Tat verjährt ist. Auch die Raubgräberstücke haben keine juristische Konsequenz, weil es das Kulturgutschutzgesetz damals noch nicht gab.

Künstler in Südfrankreich

Der Volksstimme gelang es jetzt, mit dem Mann per Telefon zu sprechen, der vor 14 Jahren die etwa 500-Liter-Kunststoff-Tonne im Haus seiner Eltern in Lockstedt bei Klötze vergraben hat. Er streitet ab, ein Raubgräber zu sein.

Gerd Langermann wohnt seit 2007 in einem kleinen Dorf im Süden Frankreichs. Die Maya-Figuren habe er im Jahr 2003 auf einem Flohmarkt in Markkleeberg (Sachsen) für unter 100 Euro gekauft: „Das war echt billig. Die wussten mit den Figuren einfach nichts anzufangen und kannten auch ihre Bedeutung nicht.“ Langermann selbst kannte die Kultur der Maya hingegen sogar sehr gut. Schon mit 14 Jahren habe er sein Interesse für das Thema entdeckt.

In einem der Volksstimme vorliegenden Beitrag vom 8. April 1989 im „Neuen Deutschland“ unter dem Titel „Skurrile Formen der Maya“ wird erstmals über seine Arbeit berichtet. Er fertigte da schon seit Jahren Kopien von alter Maya-Kunst als autodidaktischer Bildhauer an.

In Dessau hatte der gelernte Kfz-Schlosser 1989 seine erste Ausstellung. Davon soll damals auch der amerikanische Maya-Forscher Prof. Nicholas Hellmuth erfahren haben. Langermann: „Am Tag des Mauerfalls holte er mich aus Berlin ab.“ Zu den Maya-Stätten habe der US-Professor ihn 1993 nach Mexiko und 1996 nach Guatemala mitgenommen. Der Amerikaner soll sich laut des Bonner Experten Prof. Grube aus der Maya-Forschung inzwischen aber zurückgezogen haben.

Doch wie kamen die Stücke in den Altmark-Keller? Langermann: „Zunächst standen die Figuren in meinem Wohnzimmer.“ Als er 2007 nach Frankreich zog, steckte der Auswanderer die Figuren in die Plastiktonne und vergrub sie im Keller. In eben jener Tonne hatte der Künstler schon zu DDR-Zeiten Geräte für seine geplante Flucht über die Ostsee versteckt. „Ich wollte 1989 in den Westen fliehen“ sagt er. Aus Angst vor der Staatssicherheit habe er die Fluchtgeräte tief im Keller vergraben. Einige der Geräte seien in einer Ausstellung im Museum „Flucht über die Ostsee“ in Prora wohl noch zu sehen. Ob er noch einmal in seine Heimat zurückkehren wird, ließ Langermann offen. Er nannte familiäre Probleme.

Die teils mehr als 1500 Jahre alten, verzierten Tonfiguren, bunten  Geschirrteile  und Scherben vergrub der 67-Jährige in seinem Elternhaus.
Die teils mehr als 1500 Jahre alten, verzierten Tonfiguren, bunten Geschirrteile und Scherben vergrub der 67-Jährige in seinem Elternhaus.
Foto: dpa