Corona

Einsam trotz Impfung

Senioren in Sachsen-Anhalts Pflegeheimen warten auf Lockerung der Besuchsregeln

ARCHIV - 23.08.2018, Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor. Angesichts der vielen Corona-Schutzimpfungen in Alten- und Pflegeheimen Mecklenburg-Vorpommerns plant Sozialministerin Drese (SPD) schrittweise Lockerungen der Besuchs- und Schutzregelungen. (zu dpa "Ministerin plant Lockerungen für Besuche in Alten- und Pflegeheimen") Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ dpa

Magdeburg

Nicht mehr zusammen essen, kein gemeinsames Kaffeetrinken, wenig Verwandtenbesuch – die Senioren in Sachsen-Anhalts Pflegeheimen haben unter den Einschränkungen der Pandemie besonders gelitten. Doch obwohl die Bewohner inzwischen weitgehend durchgeimpft sind, gelten in den Einrichtungen weiter strenge Besuchsregeln.

„Wir wissen, dass es vielfältige Bemühungen gibt, die Bedingungen in den Pflegeeinrichtungen wieder zu normalisieren. Daneben gibt es aber auch bei vollständig Geimpften Infektionen, gerade in Pflegeeinrichtungen“, begründet Andreas Pinkert, Sprecher des Gesundheitsministeriums, das Fortbestehen der Maßnahmen. Solange aus wissenschaftlicher Sicht unklar sei, ob eine Übertragung des Virus durch Geimpfte ausgeschlossen ist, müsse man weiter vorsichtig sein. Darüber hinaus sei der Inzidenzwert im Land mit 130 weiter hoch.

Die aktuellen Corona-Regeln erlauben jedem Bewohner täglich einmal Besuch. Voraussetzung ist ein negativer Schnelltest. Tatsächlich führen Testpflicht und begrenzte personelle Ressourcen aber dazu, dass in den Pflegeheimen teils deutlich weniger Besuche möglich sind.

„Wir haben an drei Tagen in der Woche Besuchstage, jeder Bewohner darf einmal die Woche für 30 Minuten Besuch bekommen“, sagt Anke Grothe, Leiterin der „Pro Seniore Residenz“ in Magdeburg.

Ähnlich ist es im „Vitanas Senioren Centrum“ in Halber-stadt: Von Dienstag bis Donnerstag gebe es Besuchszeiten, zwischen 20 und 30 Personen könnten pro Tag kommen, sagt Leiter Kay-Uwe Ritter.

Kleinere Einrichtungen wie das Pflegeheim „Am Springberg“ in Stendal öffnen ihre Pforten zwar öfter, „mehr als 20 Personen können wir aber an einem Nachmittag auch nicht testen“, sagt Leiter Rico Thiele. Bewohner dürften das Heim aber eigenständig verlassen, sofern sie mobil sind.

Katrin Köppe, Geschäftsführerin der AWO in Sachsen-Anhalt, verweist auf die vom Land festgelegten Besuchsregeln: „Bezüglich der Kontaktbeschränkungen können wir nicht selbstständig handeln, auch wenn die aktuelle Gefährdungslage gering sein sollte.“

Die Einhaltung dieser Regeln werde vom Land auch kontrolliert, sagt Antje Ruddat, Geschäftsführerin beim Arbeiter-Samariter-Bund in Magdeburg. Noch vor zwei Wochen seien Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes im Auftrag der Heimaufsicht vor Ort gewesen, um die Umsetzung des Testkonzeptes zu prüfen.

Dennoch, darauf bestehen die meisten Heimleiter, würden die meisten Angehörigen mit Verständnis reagieren. Das sieht auch die Heimaufsicht des Landes so. Viele Angehörige hätten sich mit der Situation arrangiert, da – anders als im ersten Lockdown – wieder Besuche möglich seien, sagt Landesverwaltungsamts-Sprecherin Denise Vopel.

Eva von Angern, Co-Vorsitzende der Linken im Land, fordert eine einheitliche Richtlinie für Pflegeeinrichtungen: „Wir haben bereits im letzten Jahr beim Sozialministerium beantragt, dass es verbindliche Standards für alle Pflegeeinrichtungen gibt.“ Wo eine hohe Impfquote bestehe, solle auf Lockerungen gesetzt werden.

Ausschließen wollen das die Regierungsparteien zumindest nicht. „Sobald es die Impf-situation zulässt und die organisatorischen Rahmenbedingungen passen, müssen die Besuchsregeln gelockert werden“, sagt Tobias Krull, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

Und Cornelia Lüddemann, Vorsitzende der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, sagt: „Mit tagesaktuellem Schnelltest halte ich Lockerungen im Zutrittsregime für vertretbar.“