Kinderbetreuung

Kitas fehlen in Sachsen-Anhalt tausende Fachkräfte

Bei der Zahl der Erzieher in Sachsen-Anhalt klafft eine gewaltige Lücke, warnt  Verdi.  2100 Fachkräfte fehlen. Das Fachkräfteproblem könnte sich in den kommenden Jahren verschärfen, sagen die Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt.

Von Massimo Rogacki
Gummistiefel für Kinder stehen in der Garderobe der Kindertagesstätte.
Gummistiefel für Kinder stehen in der Garderobe der Kindertagesstätte. Symbolfoto:: Jens Büttner/zb/dpa

In Kitas in Sachsen-Anhalt fehlen rund 2100 Fachkräfte. Bundesweit sind es 173000. Das ergab eine  Befragung im Auftrag der Gewerkschaft Verdi in Kitas.

Durchschnittlich fehlen in jeder Einrichtung im Land drei bis vier Erzieher. Rund die Hälfte der Befragten gab an, während der Arbeit in der Spitze für mehr als 17 Kinder verantwortlich zu sein, etwa jeder Fünfte betreute mehr als 21 Kinder. „Die Fachkräftelücke ist schlicht und ergreifend nicht länger hinnehmbar – weder für die Beschäftigten noch für die Kinder und deren Eltern“, sagt Oliver Greie, Landesbezirksleiter Verdi Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Die seit Jahren von Verdi geforderten verbesserten Fachkraft-Kind-Relationen“ seien „von den politisch Verantwortlichen leider immer noch nicht realisiert worden“, so Greie weiter.

„Bei uns fehlen im Schnitt zwei Erzieherinnen“, sagt die stellvertretende Leiterin einer Magdeburger Kita. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Dass eine Fachkraft in ihrer Einrichtung für rund 20 Kinder zuständig ist, sei an der Tagesordnung, sagt sie.

Im vergangenen Jahr arbeiteten nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit landesweit 21600 Fachkräfte in Berufen der Kinderbetreuung und Erziehung. 348 mehr als im Jahr zuvor.

2020 verzeichneten die Arbeitsagenturen 269 Stellenmeldungen, im Jahr zuvor waren es noch 237. Es dauert immer länger, um eine Stelle als Fachkraft zu besetzen: 2019 waren es 74 Tage, im vergangenen Jahr blieben Stellen im Schnitt 100 Tage unbesetzt. Einen akuten Fachkräftemangel gebe es nicht, sagt Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion. Der Anstieg bei der Zahl der Beschäftigten und den Vakanzzeiten zeigten aber, dass der Bedarf an Fachkräften steigt. Die demografische Entwicklung dürfte den Trend verschärfen.

Fast ein Viertel der Fachkräfte in Sachsen-Anhalt sind über 55 Jahre alt. Sie gehen zu einem großen Teil in den kommenden zehn Jahren in Rente. Auch in der Magdeburger Kita scheiden in den kommenden Jahren erfahrene Kräfte aus, sagt die Erzieherin. Die Lücken mit qualifiziertem Personal zu füllen – schwierig.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssen die Attraktivität der Ausbildung und des Berufs weiter steigen, sagt Markus Behrens. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva Gerth, plädiert dafür, das bis 2022 laufende Modellprojekt einer „Praxisintegrierten Ausbildung“ (PiA) für derzeit 200 Azubis „zu verstetigen und auszubauen“ und damit künftiges Fachpersonal frühzeitig zu binden.