Gesundheit

Land bleibt Sorgenkind bei Herzkrankheiten

Laut dem aktuellen Deutschen Herzbericht leiden Menschen in Sachsen-Anhalt weiter häufiger unter kardiologischen Problemen als der Bundesschnitt. Woran liegt das?

Von Christoph Carsten
Übergewicht ist nach wie vor einer der Hauptgründe für Herzerkrankungen.
Übergewicht ist nach wie vor einer der Hauptgründe für Herzerkrankungen. Foto: dpa

Magdeburg - In Deutschland leiden immer mehr Menschen unter Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Die Sterblichkeit dagegen ist in beiden Fällen gesunken. Das geht aus der neuesten Ausgabe des Deutschen Herzberichtes hervor, der alljährlich von der Deutschen Herzstiftung herausgegeben wird.

Sachsen-Anhalt ist nach wie vor Sorgenkind in Sachen Herzgesundheit. 4981 Menschen starben hierzulande 2019 an sogenannten ischämischen Herzkrankheiten, davon 1885 an einem akuten Herzinfarkt. Die Sterblichkeitsrate durch einen Herzinfarkt liegt in Sachsen-Anhalt bei 67,1 Verstorbenen pro 100 000 Einwohner, höher ist sie nur in Berlin mit 72,3 Fällen. Dennoch hat sich - mit Ausnahme Berlins - die Sterblichkeitsrate in den Bundesländern im Vergleich zum Vorjahr verbessert.

Die Häufigkeit von Herzkrankheiten liegt in Sachsen-Anhalt 17,4 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Damit ist das Land noch vor Mecklenburg-Vorpommern (15,2 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (12,1 Prozent) das Schlusslicht in der Statistik.

Sachsen-Anhalter gehen selten zum Arzt

„Die Gründe sind vielfältig“, sagt Professor Rüdiger Braun-Dullaeus, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie und Angiologie in Magdeburg. Immer noch gebe es hierzulande mehr Raucher und Übergewichtige als in anderen Bundesländern. Ein weiterer Faktor: „Die Menschen suchen oft erst spät einen Arzt auf. Das kann im Einzelfall fatal sein.“ Mit der Corona-Pandemie hätten sich noch weniger Menschen mit Symptomen ins Krankenhaus begeben. Dabei sei die lokale Versorgung nicht grundsätzlich schlechter als anderswo.

Langfristig könne eine verbesserte sozioökonomische Situation der Menschen das Krankheitsrisiko senken, sagt Braun-Dullaeus. Der Kardiologe beruft sich auf Statistiken, nach denen Gesundheitsbewusstsein und Bildungsstand oft Hand in Hand gehen.

Das sieht Professor Jens Wippermann, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie, ähnlich. „Viele Menschen sind nach der Wende in schwierige Verhältnisse gerutscht und achten weniger auf ihre Gesundheit“, sagt er. Hinzu komme die geringe Arztdichte im Land. Laut Herzbericht kommen in Sachsen-Anhalt auf einen Kardiologen rund 30 000 Menschen - in Bremen sind es rund 15 000. Und: 2019 betrug der Anteil der über 65-Jährigen im Land 27 Prozent. Aus dieser Gruppe stammen laut Herzbericht die meisten Herzpatienten.

Jens Wippermann wird dann tätig, wenn bereits etwas im Argen liegt. Auch in Sachsen-Anhalt hat sich in den vergangenen Jahren viel auf dem Gebiet der Herzchirurgie getan. Neue Operationsverfahren hinterlassen immer weniger Spuren, ganze Kunstherzen können inzwischen implantiert werden. 68 Stück hat Wippermann seit 2014 eingesetzt. „Mehr als 70 Prozent der Patienten schaffen es, fünf Jahre und länger mit einem Kunstherz zu überleben.“