Kriminalität

Polizei in Sachsen-Anhalt erhöht den Druck auf Schleuser nach illegalen Einreisen per Lkw

Allein in den vergangenen fünf Monaten haben Beamte in Sachsen-Anhalt auf 17 Lkw fast 80 Migranten entdeckt. Im gesamten Vorjahr gab es 14 solcher Fälle.

Von Matthias Fricke
Aufgegriffene Geschleuste auf einem Autobahnparkplatz.
Aufgegriffene Geschleuste auf einem Autobahnparkplatz. Foto: Bundespolizei

Magdeburg - Sie haben nur einige Zentimeter Platz, irgendwo zwischen Holz-Paletten und Motoröl. Lediglich eine kleine Flasche aus Kunststoff dient auf der stundenlangen Fahrt zum Verrichten der Notdurft. Die meist jungen Männer aus Afghanistan, Pakistan, Marokko oder Algerien im Alter zwischen 14 und 30 Jahren sind zuvor überwiegend in Rumänien auf die Lkw gebracht worden. Sie verharren dort, bis nach dem Grenzübertritt in Tschechien der Fahrer eine Lenk-Pause einlegt. Die ist häufig in Sachsen-Anhalt.

Der Leiter der Bundespolizeiinspektion Magdeburg, Alexander Schmelzer: „Wir haben Sorge, dass es bei dieser Art der Schleusung bald auch Todesopfer gibt.“ Bisher ging es bei den 17 festgestellten Fällen mit 78 Personen (darunter zwei Frauen) in diesem Jahr noch gut. Nach nur fünf Monaten sind es schon jetzt drei Fälle mehr als im gesamten Vorjahr. Für die Schleusungen sollen die Betroffenen jeweils bis zu 17.000 Euro gezahlt haben, ergaben die bisherigen Ermittlungen.

Die Aufgegriffenen werden in die Landesaufnahmeeinrichtung (LAE) Magdeburg gebracht. Schmelzer: „Hier arbeiten wir eng mit den Landesbehörden zusammen.“

Ein weiteres Problem sind Schleusungen per Kleinbus und Pkw: Vor allem bereits in Griechenland registrierte Asylsuchende reisen zunächst mit dem Flugzeug unter anderem nach Polen, Belgien oder die Niederlande, um von dort mit sogenannten Shuttles, regelmäßig eingesetzte Kleinbusse, in die Nähe der hiesigen Asylanlaufstelle gebracht zu werden. Die Bundespolizei in Magdeburg ermittelt inzwischen in 40 solcher Fälle.

Wie viele Antragsteller sich pro Monat in der Landesaufnahmestelle erstmals melden, dazu gibt die Bundespolizei keine Auskunft. Die Zahl soll im dreistelligen Bereich liegen. Schmelzer: „Wir gehen jedem Fall nach und untersuchen die Schleuserwege.“ Bisher größter Erfolg: Im April kamen zwei Schleuser in Untersuchungshaft. Sie gaben zu, an mindestens 34 Schleusungen aus Amsterdam, Brüssel und Luxemburg mit über 200 geschleusten Personen beteiligt gewesen zu sein. Bundespolizisten hatten zuvor die beiden an der Aufnahmeeinrichtung in Magdeburg erwischten irakischen Schleuser festgenommen, als sie sechs Syrer dort absetzten.

Auch die Landespolizei beteiligt sich an den Kontrollen. „Vor allem auf den Autobahnen“, so Michael Klocke vom Landeskriminalamt. Seine Behörde wertet in der Gemeinsamen Auswerte- und Ermittlungsgruppe Schleusungskriminalität (GAES) die Erkenntnisse aus. Sie unterstützt die örtlichen Ermittler vor allem mit Spezialtechnik, leitet Hinweise von anderen Behörden weiter.