Kein EU-Staat ist so teuer

Strompreise im Land auf Rekordniveau

Die Strompreise in Deutschland und damit auch in Sachsen-Anhalt sind die höchsten in der EU. Die Linke im Landtag, aber auch die Industrie- und Handelskammern fordern Reformen.

Von Alexander Walter
Windräder auf einem Feld: Die Ökostrom-Umlage war in den vergangenen Jahren hauptsächlich mitverantwortlich für die gestiegenen Strompreise.
Windräder auf einem Feld: Die Ökostrom-Umlage war in den vergangenen Jahren hauptsächlich mitverantwortlich für die gestiegenen Strompreise. Foto: dpa

In keinem anderen EU-Land sind die Strompreise für Haushalte so hoch wie in Deutschland. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die die Linke im Bundestag erfragt hat. Der Preis je Kilowattstunde lag demnach 2020 im Schnitt bei 30,43 Cent (Jahresverbrauch: 2500 bis 5000 kWh).

Das ist mehr als dreimal so viel wie im günstigsten EU-Land Bulgarien (9,97 Cent). Im April 2021 stieg der Preis auf ein Allzeithoch von 33,78 Cent je Kilowattstunde.

Sachsen-Anhalt rangiert im Bundesvergleich auf Platz 7. Im Schnitt 1181 Euro im Jahr musste eine Familie mit einem Kind bei einem Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden in der Grundversorgung zuletzt zahlen, wie aus Daten des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Teurer waren im Osten nur Thüringen (1216 Euro) und Berlin (1192).

Grund für die hohen Preise sind vor allem Steuern und Abgaben. Energiebeschaffung und Margen dagegen machen laut Bundeswirtschaftsministerium nur ein Viertel der Kosten aus.

Größte Preis-Posten: Die EEG-Umlage, mit der der Ausbau der Erneuerbaren Energien bezahlt wird, sowie Entgelte für die Nutzung fremder Netze durch den Stromanbieter und die Stromsteuer. Zwar hat die Politik die EEG-Umlage zuletzt auf 6,5 Cent gedeckelt. Sinkende Preise zog das aber meist nicht nach sich. Das Preisniveau ist laut Statistischem Landesamt im April im Vergleich zum Vorjahr sogar um 1,7 Prozent gestiegen.

Linke-Fraktionschefin im Landtag Eva von Angern sagte: „Die Strompreise sind inakzeptabel hoch und müssen deutlich sinken.“ Der Staat dürfe nicht als Preistreiber agieren. Die Stromsteuer müsse für Privathaushalte abgeschafft und die EEG-Umlage reformiert werden. „Das Grundkontingent für Haushalte sollte besonders günstig sein.“

Allein durch Tarif- und Anbieterwechsel könnten Kunden allerdings häufig Hunderte Euro pro Jahr sparen. Zu hohe Preise kritisieren auch die Industrie- und Handelskammern.

Sachsen-Anhalt sei durch vergleichsweise viele Unternehmen mit hohem Strombedarf etwa in Chemie- und Ernährungsindustrie besonders betroffen, sagte Franziska Böckelmann von der IHK Halle/Dessau. Zwar zahlten besonders energieintensive Betriebe eine verringerte EEG-Umlage. Die meisten Firmen aber zahlten die volle Ökostrom-Umlage. Auch die Stromsteuer liege erheblich über dem europäischem Mindestsatz. „Die Politik muss dafür sorgen, dass die stromintensiven Unternehmen international wettbewerbsfähig bleiben“, sagte Böckelmann.