Finanzierungslücke

Studentenprotest gegen Sparpläne an der Uni Halle - Minister zeigt sich irritiert über Rektorats-Pläne

Gegen Kürzungspläne beim Studienangebot der größten Uni in Sachsen-Anhalt haben am Mittwoch in Halle Hunderte Studenten protestiert. Wissenschaftsminister Armin Willingmann zeigte sich über die Pläne des Rektorats „irritiert“. Der Senat nahm die Vorschläge „zur Kenntnis“.

Von Alexander Walter
Hunderte Studenten protestierten am Mittwoch auf dem Uniplatz in Halle gegen Kürzungsvorschläge des Rektorats.
Hunderte Studenten protestierten am Mittwoch auf dem Uniplatz in Halle gegen Kürzungsvorschläge des Rektorats. Foto: Screenshot Twitter/„MLUnterfinanziert“

Magdeburg - Vier Tage vor der Landtagswahl sorgt ein Strategiepapier des Rektorats der Uni Halle für Verärgerung im Wissenschaftsministerium. „Die Ideen sind mit uns in keiner Weise besprochen“, sagte Minister Armin Willingmann (SPD) am Mittwoch der Volksstimme.

Worum geht es? In einem 30-seitigen „Plan zur Profilschärfung und Haushaltskonsolidierung“ vom 25. Mai macht die Uni-Leitung um Rektor Christian Tietje (CDU) eine jährliche Haushaltslücke von 15 Millionen Euro an Sachsen-Anhalts größter Uni geltend – auch wegen zu geringer Landeszuschüsse.

Als Ausweg werden Personaleinsparungen von 100 Vollzeitstellen vorgeschlagen. Fakultäten sollen neu strukturiert, Prüfungsämter zusammengelegt werden. Treffen soll es den Plänen zufolge vor allem die sogenannten „kleinen Fächer“.

Professuren in Indologie und Japanologie sollen nicht neu besetzt werden. Das Institut für Altertumswissenschaften würde aufgelöst, ebenso die Sportwissenschaften. Das Papier sei als Diskussionsgrundlage zu verstehen, betonte die Uni-Leitung nach Bekanntwerden. In einer Sondersitzung beriet gestern hochschulöffentlich der Senat.

An der Uni formierte sich Protest. Hunderte Studenten demonstrierten während der Sitzung auf dem Uniplatz.

Einer am Sonntag gestarteten Online-Petition gegen den „Kahlschlag“ haben sich inzwischen 14.000 Unterstützer angeschlossen. Auch Dozenten übten Kritik: Michael Hillgruber, Professor für Altphilologie, sprach im MDR von einem „Skandal“, sollten die traditionsreichen Altertumswissenschaften tatsächlich schließen.

Willingmann sieht das ähnlich: „Das Signal, das vom Papier für die Rolle des Unistandorts Halle ausgeht, ist fatal“, sagte er.

Linke und AfD hatten die Vorschläge bereits zuvor kritisiert. Der AfD-Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider sprach von einer „barbarischen Kürzungsorgie“. Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte eine höhere Finanzierung durch das Land. Willingmann lässt das nicht gelten: Das Budget der Uni sei zwischen 2015 und 2021 von 135,6 auf 157,4 Millionen Euro gestiegen. Hinzu kämen seit 2017 Bafög-Mittel. Übernommen würden seit Kurzem zudem Inflationsausgleich und Tarifsteigerungen.

Anders als die übrigen Hochschulen habe die Uni Halle aber 2014 vereinbarte Strukturanpassungen nicht umgesetzt. „Dass nach sechs Jahren kurzfristig derart unausgegorene Vorschläge präsentiert werden, lässt mich ratlos zurück. Einen Kahlschlag werden wir nicht zulassen“, ergänzte Willingmann.

Rückendeckung erhielt Rektor Tietje von Bildungsminister Marco Tullner, zugleich CDU-Kreischef in Halle. Es sei zu klären, ob die 2014 vereinbarten Strukturänderungen noch gelten und, ob das Land diese mit einem Fonds begleiten kann.

Magdeburgs Uni-Rektor Jens Strackeljan sagte: Der Zeitpunkt, zu dem die Uni Halle den Plan vorgelegt habe, sei zumindest „merkwürdig“. „Er kommt kurz nach Unterzeichnung der Zielvereinbarungen mit dem Land, in denen sich die Unis zu ihren Aufgaben bekannt haben.“ Der Senat nahm den Plan des Rektorats gestern „zur Kenntnis“. Er werde jetzt ergebnisoffen diskutiert, hieß es nach der Sitzung. Über kein Detail sei bislang entschieden.