Magdeburg l Kulturminister Rainer Robra (CDU) hat am Mittwoch im Landtag die Entscheidung verteidigt, die umstrittene Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ nicht im historischen Bauhaus-Gebäude in Dessau auftreten zu lassen. Robra ist zugleich Vorsitzender des Bauhaus-Stiftungsrats. Linke, SPD und Grüne kritisierten die Entscheidung als beschämend und feige. CDU und AfD stützten Robra.

Hintergrund: Das ZDF veranstaltet zweimal im Jahr Konzerte im Bauhaus Dessau. Diese werden in der Reihe „zdf@bauhaus“ ausgestrahlt. Für den 6. November lud der Sender „Feine Sahne Fischfilet“ ein. Die Band aus der linken Szene polarisiert („Deutschland ist Scheiße. Deutschland ist Dreck.“); von 2011 bis 2014 tauchte sie wegen radikaler Texte im Verfassungsschutzbericht auf. Mit Beginn des Kartenverkaufs kündigten rechte Gruppen Demos an. Bauhaus-Direktorin Claudia Perren machte – nach Rücksprache mit Robra – vom Hausrecht Gebrauch: Das Konzert wurde abgesagt, um nicht „Austragungsort von politischer Agitation und Aggression zu werden“.

Angriff auf Kunstfreiheit

Die Linke wertet das als fundamentalen Angriff auf die Kunstfreiheit. Steffen Gebhardt (Linke) sagte zu Robra: „Das ist nichts anderes als Zensur.“

Robra wies das zurück und bezog sich auf den Vertrag zwischen Bauhaus und ZDF: Veranstaltungen dürfen dem Image des Bauhauses nicht schaden – und von ihnen darf nicht die Gefahr ausgehen, dass das zum Weltkulturerbe gehörende Gebäude beschädigt wird. Ein Polizeischutz sei zwar möglich gewesen, doch man möge sich auch mal in einen Polizisten hineinversetzen, der eine Band schützen soll, die Polizei ablehnt. Wulf Gallert (Linke) fragte daraufhin, was Robra für ein Staatsverständnis habe. Polizei muss schließlich alle schützen. Robra erwiderte, bei diesem Punkt gehe es auch um Mitmenschlichkeit. Zu Gallert: „Die mag Ihnen fremd sein.“ Das ging zu weit: Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch rüffelte den Minister für diese persönliche Attacke.

SPD und Grüne kritisierten die Mutlosigkeit des Bauhauses. Holger Hövelmann (SPD): „Die Protest-Ankündigung einiger Rechter reicht, damit das Baushaus einknickt – wo sind wir hingekommen?“ Sebastian Striegel (Grüne) warf der Stiftung vor, dem Bauhaus Dessau einen nachhaltigen Schaden zugefügt zu haben. „Wir haben uns weltweit blamiert.“ Detlef Gürth (CDU) hielt dagegen. „Es wäre eine Zumutung für das Bauhaus gewesen, solch eine gewaltverherrlichende Band dort spielen zu lassen.“ Zudem gebe es auch frauenfeindliche Texte. In Richtung Grüne sagte Gürth: „Wenn ich nur eine Zeile vorlese, würden Sie Schnapp­atmung bekommen und der Landesfrauenrat würde im Karree springen.“

Historisch bedingt

Scharfe Kritik löste Direktorin Perren vor allem damit aus, dass sie die Absage auch historisch begründete, wonach sich das Bauhaus früher nicht politisch betätigt habe. Dies löste eine Welle der Empörung aus, da das Bauhaus von den Nazis verboten wurde. Perren distanzierte sich mittlerweile von diesem Teil ihrer Begründung. Sie verteidigt aber die Konzert-Absage. „Wir wollten den Rechtsradikalen vor dem Bauhaus keine Plattform bieten.“

Die Dessauer Vorgänge schlagen bundesweit Wellen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kritisierte die Absage. Künstler und Architekten protestierten mit einem Offenen Brief. Zu den Unterzeichnern gehören der Grafiker Klaus Staeck und Ex-Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt. Der Berliner Künstler Clemens Krauss will seine Werke aus dem Bauhaus abziehen.

Nun bietet das Theater Dessau der Band an, am 6. November dort aufzutreten.