Magdeburg (dpa/sa) l Weniger düngen und mehr Auflagen für den Artenschutz: Für Landwirtschaft in Natura-2000-Schutzgebieten gelten besondere Regeln. Sachsen-Anhalts Bauern haben deshalb im vergangenen Jahr rund 8,3 Millionen Euro Unterstützung für die Bewirtschaftung dieser Flächen bekommen. Die Ausgleichszahlungen seien auch für 2019 und 2020 gesichert, erklärte Agrarministerin Claudia Dalbert (Grüne).

Zahlreiche Landwirte waren zu Beginn des Jahres Sturm gelaufen gegen eine neue Verordnung zur Umsetzung von Natura 2000. Durch das EU-Projekt soll ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten in Europa entstehen. In Sachsen-Anhalt sind rund elf Prozent der Landesfläche betroffen. Der Bauernverband fürchtet, dass Flächen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr genutzt werden können. Die Regelungen für Ausgleichszahlungen sind dem Verband zudem nicht verbindlich genug.

Hüter der Artenvielfalt

Dalbert sagte, sie setze sich dafür ein, dass der Ausgleich auch in der nächsten EU-Förderperiode nach 2020 möglich ist und zudem erhöht wird. Die Landwirte, die in den Schutzgebieten wirtschaften, seien große Hüter der Artenvielfalt und leisteten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft. "Diese Leistung ist gesellschaftlich anzuerkennen", sagte Dalbert. "Deshalb wird ein Natura-2000-Ausgleich gezahlt."

Geld gibt es zum einen für die Einschränkung der Stickstoffdüngung. Wie viel die Landwirte dafür bekommen, hängt davon ab, wie viele Tiere auf den Flächen gehalten werden – bis zu 200 Euro pro Hektar sind möglich. 2018 seien für 18 800 Hektar Fläche rund 2,7 Millionen Euro an die Landwirte gezahlt worden.

Proteste gegen Verordnung

Zum anderen erhalten die Bauern Ausgleichszahlungen für sogenannte benachteiligte Gebiete. Die Vorgaben dafür stammen von der EU und betreffen in Sachsen-Anhalt den Angaben zufolge rund 258.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Kriterien sind etwa eine begrenzte Wasserführung des Bodens oder eine steile Hanglage. In diesem Bereich flossen 2018 rund 5,6 Millionen Euro an die Bauern.

Die neue Verordnung zur Umsetzung von Natura 2000 in Sachsen-Anhalt war nach langem Streit in der Landesregierung Anfang 2019 in Kraft getreten. Bei einer Kundgebung im Januar vor der Staatskanzlei protestierten Hunderte Land- und Forstwirte sowie weitere Verbände gegen die Verordnung. Der Bauernverband fordert einen Kurswechsel in der Naturschutzpolitik. Statt um Verbote müsse es um freiwilligen, in Verträgen geregelten Naturschutz gehen, argumentiert der Verband.