Magdeburg l Streit um die Düngeverordnung, Sorgen um sinkende Einnahmen – die Bauern gehen voller Verunsicherung ins neue Jahr. Das belegen aktuelle Zahlen des Konjunkturbarometers Agrar, das Mittwoch bei der Eröffnungspressekonferenz der Internationalen Grünen Woche (IGW) vorgestellt wurde. Sorgen bereitet den Bauern vor allem die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Mit einem Wert von 3,34 auf einer Notenskala von 1 bis 5 zeigten sich Landwirte in der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des Deutschen Bauernverbands so pessimistisch wie noch nie.

Präsident Joachim Rukwied beklagt eine hochgradige Verunsicherung in der Landwirtschaft: „Wir Bauern sind Unternehmer. Jeder, der etwas unternehmen will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen, um Zukunftsinvestitionen tätigen zu können. Darauf muss die Politik ausgerichtet werden“, so Rukwied.

Bauern investieren immer weniger

Auch die Investitionsplanungen der Bauern spiegeln das wider. Nur jeder dritte Landwirt will in den kommenden sechs Monaten investieren. Das geplante Investitionsvolumen liegt mit 3,8 Milliarden Euro um 0,5 Milliarden Euro unter dem Vorjahresstand. Rückläufig sind vor allem Investitionen in Wertschöpfung schaffende und Tierwohl fördernde Ställe.

Auch beim Bauernverband Sachsen-Anhalt blickt man mit Sorge auf die kommenden Monate. Dass die Landwirte mit dem Agrarpaket der Bundesregierung nicht einverstanden seien, zeigten die Proteste mit der Bewegung „Land schafft Verbindung“, sagte Verbandspräsident Olaf Feuerborn auf einer Pressekonferenz des Landesverbands gestern in Magdeburg. Im Agrarpaket sind unter anderem eine verschärfte Düngemittelverordnung und Maßnahmen zum Artenschutz geregelt. „Wir Landwirte sind für Umweltschutz und wir sind auch bereit, vieles umzusetzen“, betonte Feuerborn.

Abbau von bürokratischen Hürden

Maßnahmen zum Umweltschutz dürften indes nicht überhastet umgesetzt werden, bevor ihr Effekt ausreichend bekannt sei. Es müsse weiter geforscht werden. Bei der Umsetzung sei die Politik gefordert, den Bauern einen finanziellen Ausgleich zu ermöglichen. Dann könne die Landwirtschaft einer der entscheidenden Schlüssel zum Artenschutz sein.

Der Verband dringt zudem auf den Abbau bürokratischer Hürden, etwa bei Wassernutzungsrechten oder staatlichen Hilfen. Nach den Dürresommern flossen zuletzt 56 Millionen Euro an Bauern im Land. „Ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Vizepräsident Lutz Trautmann. Die Auszahlung habe teils zu lange gedauert und habe die angespannte wirtschaftliche Situation einiger Betriebe befeuert. Konsequenz sei auch in Sachsen-Anhalt eine geringe Investitionstätigkeit.