Genthin/Magdeburg l Wegen der Corona-Krise nahezu unbemerkt hat die Schweizer Terra Grundwerte AG das größte Ferkelzuchtunternehmen in Deutschland gekauft: Die LFD-Holding mit Sitz in Genthin. Der Standort hat eine bewegte Vorgeschichte. Wohl auch deshalb regt sich Argwohn aus der Politik und der Zuchtbranche.

Wer im Internet Informationen über die Schweizer Terra Grundwerte AG sucht, findet nur Spärliches. Sitz der Investment- und Beteiligungsgesellschaft ist die Gemeinde Alpnach Dorf im Kanton Obwalden. Auf der Internetseite ist eine Anschrift genannt, aber keine Telefonnummer. Beim ersten Anruf dort meldet sich direkt Thomas Strehl am Telefon, der Verwaltungsratspräsident des Unternehmens. Das ist ungewöhnlich, denn der 52-jährige Ingenieur aus Bayern ist der oberste Chef der Aktiengesellschaft. Diese gibt es jedoch erst seit 2018 und sie ist sehr klein, beschäftigt laut Strehl nur fünf Mitarbeiter. „Transparenz ist die Mutter der Porzellankiste“, meint der neue Inhaber von Deutschlands größtem Ferkelzuchtbetrieb fröhlich. Transparenz und Dialog sind die Begriffe, die Strehl am häufigsten verwendet. Das liegt sicher auch an der bewegten Vorgeschichte der Ursprungsfirma.

Das Aufziehen von Schweinen ist ein Millionengeschäft. Insgesamt 18 Standorte in Sachsen-Anhalt und fünf weiteren Bundesländern gehören zur Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland (LFD) und nun der Terra Grundwerte AG. Sitz der Holding soll die Kleinstadt im Landkreis Jerichower Land bleiben, auch der Name soll weiter verwendet werden. Die rund 400 Mitarbeiter werden übernommen, heißt es. Zum Kaufpreis will sich der neue Inhaber nicht äußern.

Urteil wegen Tierquälerei

„Natürlich wollen wir das Unternehmen langfristig entwicklen, ich will das weiter ausbauen“, sagt Strehl. Konkreter will er nicht werden. Transparenz hin, Dialog her.

Die LFD war im Jahr 2015 aus dem Familienunternehmen des Niederländers Adrianus Straathof hervorgegangen. 2014 hatte der Kreis Jerichower Land gegen ihn wegen Tierquälerei ein bundesweites Haltungsverbot ausgesprochen. Zudem hatte das Amtsgericht Burg Straathof im letzten Jahr wegen Tierquälerei zu einer Strafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

„All das sollte zu einer Zäsur in der jahrzehntelangen grausamen Praxis der Ferkelzucht führen. Doch leider wurde dieser Wendepunkt trotz millionenschwerer Investitionen und Stallumbauten verpasst. Denn die LFD Holding führte die Haltung der Sauen auf Betonböden ohne Einstreu und das Einsperren in Kastenständen fort“, kritisiert die Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking von Bündnis 90/Die Grünen, „ich frage mich nun, welche Expertise die Terra Grundwerte AG hat.“ Auch der Schweinewirtschaftsverband Sachsen-Anhalt betrachtet die neue Eigentümerin noch skeptisch. „Ich erwarte, dass der Betrieb die Tiere den deutschen Normen und Gesetzen entsprechend hält. Sonst gibt es Stress“, sagt Hans-Georg Meyer, der Verbandsvorsitzende.

Thomas Strehl von der Terra Grundwerte AG kennt alle diese Vorwürfe. „Beim Thema Tierwohl müssen wir besser werden. Und den Leuten in der Bevölkerung und der Politik zuhören, die Bedenken haben. Ich sehe das als Ansporn. Um zu zeigen, dass sich das im Interesse der Tiere nie wiederholen darf“, sagt Strehl. Und Unternehmssprecher Ralf Beke-Bramkamp teilt mit: „Die LFD Holding wird etwa ein Drittel der im Jahr 2009 installierten und bis Mitte 2015 genutzten Kapazitäten in Gladau zurückbauen.“