Magdeburg l Es sollte der Tag der Volksinitiative werden, es wurde der Tag des Bildungsministers. Vor der Abstimmung über die Anliegen eines Bündnisses für mehr Personal in den Schulen überraschte Marco Tullner (CDU) im Landtag am Donnerstag mit einem Vorstoß. Erstmals will er 2018 binnen eines Jahres mehr als 1000 neue Lehrer einstellen. Das wären bis zu 400 mehr als geplant. Das Ziel der Koalition, 14.500 Lehrerstellen bis 2021 zu besetzen, will Tullner so schon Anfang 2019 erreichen – und bei Bedarf weiter anpassen.

800 Lehrer fallen derzeit aus

„Ich bin bereit dahin zu gehen, wo es quietscht“, sagte er. Tatsächlich geht Tullner mit den mit Finanzminister André Schröder (CDU) abgestimmten Plänen weiter auf die Volksinitiative zu, als von den Landtags-Ausschüssen empfohlen. Ein Nachtragshaushalt sei nicht nötig, so Schröder. Das Geld soll aus dem Haushalt 2017/18 kommen. Auch die Ausschüsse hatten das Vorziehen des Stellenziels vorgeschlagen, allerdings erst für 2019. Ergänzt wird der Vorstoß durch einen Beschluss des Landtags. Zum Haushalt 2019 soll die Landesregierung prüfen, ob sie Stellen von langzeiterkrankten Lehrern und Kollegen in Elternzeit durch Neueinstellungen kompensieren kann. Klappt das, könnten effektiv nochmals Hunderte Stellen hinzukommen. Laut Bildungsministerium fallen derzeit fast 800 Kollegen längerfristig aus. Wie nötig mehr Einstellungen sind, zeigen Berechnungen einer Expertengruppe. Bis 2031 sind demnach zwei Drittel der Lehrer im Land zu ersetzen.

Kaum Lehrer auf Arbeitsmarkt

Doch woher sollen all die neuen Pädagogen kommen? Auf dem Arbeitsmarkt stehen kaum Lehrer zur Verfügung. Bis 2024 decken die Absolventen der Unis nicht mal die Hälfte des Bedarfs. Andere Bundesländer erhöhen den Konkurrenz-Druck: Sachsen will Mitte nächster Woche ein Attraktivitäts-Paket für Lehrer vorlegen. Es geht um bessere Bezahlung und Verbeamtung.

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In Sachsen-Anhalt sollen Seiteneinsteiger Lücken füllen. Für bis zu 200 sind im Sommer Einsteigerkurse geplant.

Volksbegehren noch denkbar

Vertreter der Volksinitiative bekräftigten nach der Sitzung ihre Kernforderung nach 1000 Lehrern und 400 pädagogischen Mitarbeitern zusätzlich, so schnell wie möglich. Wie man weiter verfahre, mache man von tatsächlichen Einstellungen und einem Treffen mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am 22. Februar abhängig, sagte Sprecher Thomas Jaeger. Bleiben echte Verbesserungen aus, sei ab Mai doch noch ein Volksbegehren denkbar.