Magdeburg l Seit Mitte der 90er Jahre ist die Zahl der Betriebe, die ihren Mitarbeiter Tariflöhne überweisen, rapide gesunken. Nach Angaben des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeichnet sich nun für Sachsen-Anhalt eine Trendwende ab. So ist in den vergangenen drei Jahren der Anteil der Betriebe, die nach Tarif zahlen, von 23 auf 26 Prozent gestiegen. Der Anteil der Mitarbeiter, die einen Tariflohn erhalten, ist sogar von 48 auf 53 Prozent geklettert.

Eine Ursache für den Umschwung liegt den Experten zufolge in der Veränderung der Wirtschaftsstruktur. So ist in den vergangenen Jahren die Zahl kleiner Betriebe insgesamt leicht zurück gegangen. Und Statistiken belegen, dass kleine Firmen seltener nach Tarif zahlen als große. Ein weiterer Grund ist der wachsende Fachkräftemangel. „Infolge des Fachkräftemangels hat in vielen Unternehmensführungen ein Lernprozess eingesetzt“, erklärt DGB-Landeschefin Susanne Wiedemeyer. „Man hat erkannt, dass Tarifverträge Arbeitsplätze attraktiver machen.“ Besonders in der Metallindustrie seien Unternehmen auf die Gewerkschaften zuletzt verstärkt zugekommen.

Die Gewerkschaften bemühen sich allerdings auch zusehends, „Tarifflüchtlingen“ entgegenzukommen. Weil es sich manche Firmen nicht leisten könnten, von heute auf morgen nach Tarif zu zahlen, erklären sich die Arbeitnehmervertreter immer häufiger bereit, sogenannte „Heranführungstarifverträge“ abzuschließen. Die Löhne werden dabei über mehrere Jahre nach oben an das Tarifniveau angepasst.

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Zufrieden ist Wiedemeyer mit der Entwicklung noch nicht. „Es muss darum gehen, diesen Trend zu verstärken“, betont sie, die meisten Firmen seien eigentlich in der Lage, Tarife zu zahlen. Den IAB-Experten zufolge verdient ein Arbeitnehmer mit Tariflohn im Schnitt 2660 Euro pro Monat, einer ohne dagegen nur 2150 Euro, also 510 Euro weniger.