Burg (VS) l Sechs Uhr früh. Jessica Lorenz und Edwin Bock sitzen im Depot an der Burger Kapellenstraße und legen eine kurze Pause ein. Draußen vor der Halle fegt ein ruppiger Wind über den Hof. Stundenlang hat es in der Nacht geregnet. Kein sehr schönes Wetter für Zeitungszusteller. „Geht schon“, winkt Edwin Bock ab. 56 Jahre ist er. Nachtarbeit ist der ehemalige Fleischergeselle gewöhnt. Und vor dem kalten Regenwetter schützt ihn eine dicke Wetterjacke als Arbeitskleidung.

Probleme mit den Knien

Nach 28 Jahren beim Privatfleischer in der zu Burg gehörenden Ortschaft Schartau haben die Knie nicht mehr mitgemacht. „Ich musste mir eine weniger körperlich anstrengende Arbeit suchen. Und die habe ich nun als Zusteller gefunden“, erzählt er. Auch die 24-jährige Jessica Lorenz gehört seit diesem Jahr neu zum Zusteller-Team. „Ich hatte erst eine völlig andere Ausbildung gemacht. Aber das war nichts für mich. Das hier macht mir mehr Spaß“, sagt sie. Die beiden sind zwei von aktuell 1100 Zustellern, die seit Jahresbeginn in den Logistik-Unternehmen der Mediengruppe Magdeburg in Festanstellung arbeiten. Jahrelang hat der Firmenverbund der Mediengruppe Magdeburg die Zustellung der Volksstimme und des General-Anzeigers mit Pauschalkräften und geringfügig Beschäftigten organisiert. Doch der zunehmende Aufgabenbereich und auch die Einführung des verbindlichen Mindestlohnes haben eine kleine Jobmaschine in Gang gesetzt. Die 1100 Mitarbeiter stellen nicht nur die eigenen Zeitungen, sondern auch überregionale Blätter wie FAZ, Zeit und Die Welt zu und sie bringen auch täglich die Biberpost. Damit dies bei Wind und Wetter reibungslos über die Bühne geht, wurden in diesem Jahr auch 600 Zustellfahrzeuge neu angeschafft.

Die neue Flotte der Mediengruppe Magdeburg gehört inzwischen zum täglichen Straßenbild im nördlichen Sachsen-Anhalt. Die Zeiten der Zustellung mit Umhängetasche sind vorbei – sollte man meinen. Es gibt auch noch einige Zustellgebiete, in denen die Mitarbeiter mit Fahrrädern oder den herkömmlichen Zustellwagen unterwegs sind.

Bilder

Die beiden Burger Zusteller fahren aber gleich wieder mit ihren Autos los. Denn nach der Zeitungszustellung, die in der Regel zwischen drei und sechs Uhr früh erfolgt, kommen die Biberpost-Briefe dran. Je nach Zustellgebiet dauert dies unterschiedlich lang. „In der Regel sind wir gegen Mittag fertig“, erzählt Jessica.

Die junge Frau hat im Gegensatz zu ihrem älteren Kollegen kein festes Zustellgebiet. „Ich bin Springer. Das heißt, ich übernehme auch kurzfristig Bezirke von Kollegen – zum Beispiel im Krankheitsfall oder im Urlaub der Kollegen.“ Und das macht sie im ganzen Jerichower Land. Wie merkt sie sich all die Straßen und Adressen in den vielen kleinen Dörfern? „Alles eine Sache der Übung. Das geht schon“, winkt sie ab.

Überall in den 18 Ausgabegebieten gibt es Depots so wie in Burg. Von diesen Depots aus werden die Zustellgebiete von den Mitarbeitern beliefert.

Allein in dem Burger Depot sind zusammen mit dem Bereich Gommern täglich 70 Mitarbeiter mit der Zustellung von Zeitungen und Post beschäftigt. 36 Fahrzeuge starten dort spätestens ab 3 Uhr früh täglich in die Nacht.

Zuvor bekommt jeder Zusteller seine Zeitungspakete. An langen Tischen werden in der Nacht die druckfrisch vom Druckzentrum Barleben gelieferten Zeitungen ausgebreitet, zugeteilt und durchgezählt. Dann beladen die Zusteller ihre Fahrzeuge und machen sich auf den Weg.

So finden in wenigen Stunden allein knapp 170?000 Volksstimme-Exemplare ihren Weg aus der Druckerei zum Briefkasten der Leser und an die Kioske. Hinzu kommen der General-Anzeiger und die anderen Zeitungen.

Grundlegende Umgestaltung

Von einer grundlegenden Umgestaltung der Zustellbereiche spricht Dr. Matthias Hoffmann, Berater der Mediengruppe Magdeburg für den Bereich Logistik. Neben der Anschaffung der Fahrzeuge wurde die Depotausstattung den neuen Erfordernissen angepasst, die Sozialräume modern gestaltet und den Mitarbeitern einheitliche Arbeitsbekleidung zur Verfügung gestellt. „Es ging uns darum, die Arbeit der Frauen und Männer in der Zustellung aufzuwerten und den heutigen Ansprüchen gerecht zu werden“, erzählt Hoffmann.

Aktuell suche die Mediengruppe Magdeburg noch Zusteller für die Bereiche Magdeburg, Haldensleben, Wolmirstedt und Wernigerode im Harz. 8,50 Euro Stundenlohn plus Nachtzuschlag wird bezahlt.

„Beim Zuschnitt der Zustellgebiete versuchen wir, die jeweiligen Wohnorte zu berücksichtigen“, sagt Matthias Hoffmann. Angestrebt werde Vollbeschäftigung. „Wenn jemand weniger als 40 Wochenstunden arbeiten will, sind wir bemüht, das zu ermöglichen“, so der Logistik-Leiter.

Die Arbeitszeit kann im Übrigen flexibel gestaltet werden. Hoffmann: „Am Ende muss aber klar sein, dass zwei Termine eingehalten werden müssen: Um 6 Uhr früh muss die letzte Zeitung gesteckt und um 15 Uhr am Nachmittag muss der letzte Brief zugestellt sein.“

Nähere Informationen zum Jobangebot unter Tel. 0391-5999?590 oder per Mail: karriere@volksstimme.de