Magdeburg l Tino Sorge geht es eindeutig zu langsam mit der Einführung der Telemedizin in Deutschlands Arztpraxen. Trotz des 2016 geltenden E-Health-Gesetzes (Health=Gesundheit) passiere zu wenig, findet er. Der Gesundheitspolitiker hat in die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein Positionspapier eingebracht, das kürzlich beschlossen wurde. „Klar ist: Bei der Digitalisierung brauchen wir in dieser Legislatur mehr Rechtsklarheit, mehr Teamgeist, vor allem aber auch mehr politische Führung und Ordnung“, erklärt Sorge.

Ein Dorn im Auge sind dem Abgeordneten die trägen Entscheidungsprozesse in den Organisationen der Selbstwaltung im Gesundheitswesen. Sorge: „Digitaler Fortschritt darf nicht länger durch zeitliche Verzögerungen, unklare Zuständigkeiten oder Rechtsunsicherheit ausgebremst werden.“

Dagegen hat Burkhard John, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt überhaupt nichts. Er teilt auf die Gematik GmbH zielende Kritik Sorges, die die Digitalisierung vorantreiben soll. „Das ist ein Riesentanker, der es einfach nicht schafft bestimmte Standards festzulegen“, sagt John. „Das ist doch sehr behäbig.“ Momentan sei die Industrie schneller als die Vorgaben, die von dieser Institution kommen würden. „Wir sind im Einklang mit dem Positionspapier, dass die Gematik nur noch die Standards etwa für die Datenkommunikation festlegen soll. Für die Umsetzung müssen die einzelnen Akteure – wie wir als KV – mehr Freiräume bekommen.“

Elektronische Akten mit Befunden

John macht das an einem Beispiel deutlich: „In mehr in mehr Arztpraxen gibt es eine elektronische Akte mit allen Befunden, Röntgenbilder und weiteren Einträgen. Aus dieser Akte müssen bestimmte Befunden in die elektronische Patientenakte transferiert werden können, über die der Betreffende verfügen kann, wenn er etwa ins Krankenhaus kommt.“ Damit die Daten sicher übermittelt werden könnten, sie eine Schnittstelle nötig, die zudem Manipulationen verhindere. Um dabei vorzukommen, müssten die Kassenärztlichen Vereinigungen mehr Einscheidungshoheit erhalten, meint John. Die Datensicherheit ist auch im Sorge-Papier ein zentraler Punkt. „Bei der Nutzung sensibler höchstpersönlicher Daten hat der Patient das letzte Wort.“, heißt es da.

Große Hoffnungen werden bei digitaler Gesundheitsversorgung auf Telefon- und Videosprechstunden gesetzt. CDU-Mann Sorge verweist auf „Erfolgsgeschichten“ in anderen EU-Ländern und auch in der Schweiz.

Fernbehandlungen gebe es in Sachsen-Anhalt noch nicht, sagt KV-Chef John. In Sachsen-Anhalt fehlten dafür noch die berufsrechtlichen Bestimmungen. Entsprechende Regelungen erwartet er für den kommenden Herbst.

„Meine Vision ist die, dass wir eine Arztpraxis auf dem Dorf als Anlaufstelle haben, wo täglich nicht unbedingt ein Arzt, aber eine Helferin für die Patienten da ist. Bei Problemen kann der Arzt zugeschaltet werden und seinen medizinischen Rat geben.“ Zur Umsetzung meint John optimistisch: „Ich kann mir vorstellen, dass es ersten Videosprechstunden 2019 geben wird.“

Die entscheidende Voraussetzung für die künftige digitale Arztpraxis seien allerdings zeitgemäße Internet-Verbindungen. Darum ist es auf dem flachen Land in Sachsen-Anhalt noch immer nur mäßig bis übel bestellt. Verantwortlich ist in diesem Fall nicht die Berliner Bürokratie, sondern konkret die hiesige Landesregierung.