Der Altmärker Frank Schlüter und Konstantin Bruns aus Magdeburg haben erste Plätze bei "Jugend musiziert" belegt

Mit Gitarre und Cello zum Sieg im Finale

Von Dirk Andres und Martin Rieß 17.06.2011, 04:32

Höchster Erfolg für zwei junge Musiker aus Altmark und Börde. Sie haben in diesem Jahr beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" erste Plätze belegt: Frank Schlüter aus Möringen (Kreis Stendal) und Konstantin Bruns aus Magdeburg. In Vorrunde, Landeswettbewerb und Bundesfinale haben sie sich mit Gitarre und Cello gegen die Konkurrenz durchgesetzt.

Möringen/Berlin. "Es war richtig anstrengend, ich habe geschwitzt, aber es hat sich gelohnt", erinnert sich Frank Schlüter aus Möringen an seinen Auftritt beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" am Sonntag im Neubrandenburger Rathaus. Für den Altmärker war es erst der zweite Ausscheid dieser Art. "Ich hätte vielleicht schon vorher daran teilgenommen, aber meine Kategorie Gitarre (Pop) gibt es erst seit diesem Jahr.

Erste Erfahrungen auf Wettbewerbsebene machte Frank Schlüter vor drei Jahren zusammen mit Philipp Wiechert beim Wettbewerb "Jugend jazzt" als Duo "Freaky Fingers". Das Duo hatte Sachsen-Anhalt bei der Bundesbegegnung vertreten und war mit einem Konzertpreis nach Hause gefahren.

In Neubrandenburg war er als Solist erfolgreich. Mit seinem "Fingerstyle" überzeugte der 19-Jährige die Jury und gewann mit der Höchstpunktzahl (25) den ersten Preis in der Kategorie Gitarre (Pop). Die Musikexperten lobten nicht nur seine Technik, sondern auch seine musikalische Breite. Er präsentierte ruhige Klänge zu "Michelle" von den Beatles, einen verspielten und bluesigen "Canonnball Rag" von Merle Travis und ein einträgliches "Billy Jean" von Michael Jackson. Abgerundet wurde seine Vorstellung mit einer Eigenkreation.

Die Gitarre begleitet den Möringer schon seit frühester Kindheit. "Ich hatte immer so eine kleine Spielzeuggitarre, man konnte darauf nicht wirklich gut spielen, aber es hat Spaß gemacht", erinnert sich der 19-Jährige. Sein 18-jähriger Bruder Bernd brachte ihn auf die Idee, das Spielen ernsthafter zu betreiben. Bei Gitarrenlehrer Henning Netzold in Stendal startete der junge Möringer auf einer E-Gitarre seine ersten Spielversuche und eignete sich schnell wichtiges Grundwissen an.

"Ich hatte immer so eine kleine Spielzeuggitarre"

Da das Spielen nach Noten jedoch nicht so viel Spaß machte, suchte er sich Inspiration im TV und Internet. Er studierte Musikvideos und spielte viele Sachen nach dem Gehör nach. Dabei stieß er auf die australische Musiklegende Tommy Emmanuel. Der Traum, einmal E-Gitarrist zu werden, war verflogen. "Die Akustik-Gitarre bietet mir mehr Möglichkeiten und die wollte ich nutzen", sagt der Möringer.

Er wechselte von der Stendaler Musikschule an das Telemann-Konservatorium nach Magdeburg und lernte unter Lehrer Jörg Ratai dieses Ins-trument kennen und lieben. Allerdings nicht ohne Kompromisse: "Ich musste im Nebenfach Klavier nehmen, das mache ich aber nicht so gern", sagt Frank Schlüter.

Den Fingerstyle, mit dem er auch der Bundesjury imponierte, hat er sich jedoch selbst beigebracht. Dabei werden Bass, Rhythmus, Harmonie und Melodie auf einer Gitarre vereint. Um den Sound noch zu verbessern, nutzen die meisten Musiker ein Daumenplektrum. "Damit klingen die Bässe besser und bilden ein gutes Musikfundament", sagt der Möringer.

Wichtige Tipps erhielt er von namenhaften Musikern wie Joscho Stephan, einem der besten Gipsy-Swing-Gitarristen, oder auch von dem Amerikaner Adam Rafferty. "Du musst auf die Bühne", sagte Jurymitglied Peter Bursch während seines Auftrittes am Sonntag in Neubrandenburg. Dort fühlt sich Frank Schlüter auch sichtlich wohl. Er wippt und tanzt während seines Spiels auf der Bühne und erlaubt sich hier und da auch ein Späßchen. "Das ist schon das erste Lied, es heißt Tuning", sagte der Möringer beim Einspielen auf der Neubrandenburger Bühne.

Erfahrungen hat er in den vergangenen Jahren bereits sammeln können. So spielt er in der Big-Band des Telemann-Konservatoriums in Magdeburg, unterstützt die Jazzband der Musikerfabrik in Stendal bei einigen Projekten und ist mit Jakob Meilicke aus Magdeburg als Duo unterwegs. Außerdem teilte er schon die Bühne mit Adam Rafferty und spielte auch schon an der Seite von "Australian-Talent-Gewinner" Joe Robinson.

"Egal ob ich genommen werde, ich ziehe nach Dresden"

Seine Berufung sieht er als Musiker und lebt diesen Traum schon seit einiger Zeit. "Da bleibt kaum Zeit für andere Dinge, es dreht sich fast alles um Musik", sagt der 19-Jährige.

Um diesem Ziel noch näher zu kommen, will er wie der Altmärker Philipp Wiechert an der Hochschule für Musik "Karl Maria von Weber" in Dresden "Gitarre World Musik" studieren. Die Aufnahmeprüfung dafür hatte er vor zwei Wochen. "Egal ob ich genommen werde, im Herbst ziehe ich nach Dresden", sagt der Altmärker.

Aktuell bereitet sich Frank Schlüter auf das Musical "Pinkelstadt" vor, das am 24. Juni im Stendaler Theater seine Premiere feiert wird. Zukünftig will er sich auf Soloprojekte konzentrieren. Ges-tern gab er während des Abschlusskonzertes in Neubrandenburg noch einmal ein Kostprobe seines Könnens.

Ebenfalls zu einem Abschlusskonzert für Preisträger war Konstantin Bruns eingeladen – einen Tag vor Frank Schlüter. Auch Bruns hat einen ersten Platz belegt: Gemeinsam mit dem Potsdamer Alexander Psavke überzeugte der 18-Jährige die Jury mit dem ersten Satz aus dem Duo für Violine und Violoncello von Zoltan Kodaly, dem Duo für Violine und Violoncello in D-Dur von Joseph Haydn und der Passacaglia von Johan Halvorsen zu einem Thema von Georg Friedrich Händel.

Der Cellist erinnert sich an den Auftritt: Mit als einer der ersten ist er an der Reihe. Die Bühne im Neubrandenburger Albert-Einstein-Gymnasium ist festlich geschmückt. Vor den Zuschauerreihen, in denen sich etwa 30 Zuhörer versammelt haben, nimmt Konstantin Bruns Platz. Fünf Minuten Zeit hat er fürs Einspielen.

Pünktlich um 10.05 Uhr ist er mit seinem Duopartner an der Reihe. Der Magdeburger und der Potsdamer treten in der Kategorie Streicher-Ensemble, gemischte Besetzung, an. Konstantin lockert noch einmal die Finger seiner linken Hand. Dann setzt er die Finger auf die Saiten, setzt mit der rechten den Bogen an – und los geht’s.

"Ich hab‘ ihnen gesagt, dass ich das allein hinbekomme"

"Gerade das erste Stück von Kodaly ist uns richtig gut gelungen. So gut wie nie zuvor." Eine Einschätzung, die später auch die Jury bestätigt. "Zugute gekommen ist mir bei diesem Auftritt natürlich, dass ich bei ,Jugend musiziert‘ schon ein wenig Erfahrungen gesammelt habe."

Diese Einschätzung darf als Untertreibung gewertet werden: 2003 hatte Konstantin zum ersten Mal am Landeswettbewerb von "Jugend musiziert" teilgenommen und ebenfalls im Duo den ersten Platz belegt.

Seitdem ist er Stammgast bei diesem Wettstreit junger Musiker sowie am Jütting-Wettbewerb gewesen. Neben vorderen Platzierungen kann der Cellist weitere erste Plätze verbuchen: so im vergangenen Jahr beim Bundeswettbewerb von "Jugend musiziert". Damals hatte er als Solist aufgespielt.

Die langjährige Wettbewerbs-Routine hat sogar dazu geführt, dass diesmal in Neubrandenburg keine Familienmitglieder oder Freunde aus Magdeburg im Publikum saßen. "Meine Eltern wollten kommen, aber ich hab‘ ihnen gesagt, dass ich das auch allein hinbekomme." Als Unterstützer war allein der Vater seines Duopartners aus Potsdam mit dabei.

Als Solist Konzerte zu geben – das ist das große Ziel vieler Musiker. Das erreichen aber nur die Allerbesten. Trotz aller Erfolge, der Teilnahme an Meisterkursen und seiner Ausbildung seit 2008 am Berliner Musikgymnasium "Carl-Philipp Emanuel Bach" will Konstantin daher die Erwartungen nicht zu hoch schrauben: "Seit drei Jahren bin ich Schüler von Stephan Forck, einem Professor an der Hochschule für Musik ,Hanns Eisler‘. Wenn ich bei den Prüfungen in einem Jahr mein Können beweise, dann habe ich gute Chancen, an der Hochschule studieren zu können."

Bachelor, Master, weiterführende Kurse, später vielleicht als Musiker in einem Orchester. "Mir würde es dann wohl Spaß machen, wie andere Orchestermusiker nebenbei Kammermusik in kleinen Ensembles zu machen oder auch einen Lehrauftrag anzunehmen", blickt der Musiker in seine eigene Zukunft.

Und das Dasein als Solist? "Da muss man immer beweisen, dass man besser ist als die anderen. Unter den Solisten ist die Konkurrenz unwahrscheinlich groß. Dem Wettbewerb würde ich mich auch stellen – aber die Verwirklichung dieses Traums ist jetzt nicht mein einziges Ziel."

Egal ob als Orchestermusiker, als Lehrer, Dozent oder Solist: Wer in der Musik hoch hin-aus will, der muss fleißig üben. "Drei bis vier Stunden am Tag sind da einfach notwendig", erzählt Konstantin Bruns. "Für mich ist es wichtig, dass ich beim Üben Spaß daran habe. Wenn ich es nur als eine lästige Pflicht wahrnehmen würde, dann würde ich nicht vorankommen", berichtet der Musiker.

Die Motivation, selbst weiterzukommen, sei bei Musikern normal: "Wenn man ein bestimmtes Level erreicht hat, dann kommt diese Begeisterung fürs Üben, dafür, sich selbst neue Fähigkeiten zu erarbeiten, ganz von selbst", sagt Konstantin Bruns.

Das Üben sei deshalb auch so wichtig, weil Lehrer immer nur einen Vorschlag für den richtigen Weg unterbreiten können: "Am Ende muss man aber doch seine eigene Technik entwickeln, die vom Standardweg abweichen kann."

"Ich interessiere mich für Naturwissenschaften"

An den Punkt, als er selbst üben wollte, kann sich Kons-tantin nicht mehr genau erinnern. Immerhin hat er als Sohn einer musikalischen Familie bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Cellospielen begonnen. Seine Mutter hat Klavier studiert und arbeitet als Pädagogin am Magdeburger Konservatorium "Georg Philipp Telemann", seine Schwes-ter hat sich bereits seit früher Jugend für das Geigenspiel begeistert und sich nach dem Abitur für ein Studium des Mu-sikjournalismus entschieden.

Sein Bruder spielt in der Magdeburger Band "The Anyway Business". Der Vater spielt in seiner Freizeit Orgel in der St.-Mechthild-Kirche in der Landeshauptstadt.

Trotz des Zeitaufwands für das Cellospiel ist die Musik indes nicht alles im Leben von Konstantin Bruns. "Ich interessiere mich in der Schule beispielsweise für die Naturwissenschaften", berichtet er. Und dann ist da noch der Sport. Vor seinem Wechsel im Jahr 2008 in die Bundeshauptstadt Berlin ist er bereits in Vereinen aktiv gewesen. Unter anderem hat er Fußball gespielt.

Diesem Ausgleich zur Musik ist er als Freizeitsportler noch bis heute treu geblieben: Schwarz-Gelb sind seine Farben. Nicht als Bekenntnis zum aktuellen deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund – dies sind die Farben der Schulmannschaft. Konstantin spielt rechter Verteidiger.

"Einmal im Jahr richtet unsere Schule ein Turnier aus. Dann sind auch die Mannschaften zu Gast, die von den Berliner Orchestern gestellt werden. Vielleicht gewinnen wir ja in diesem Jahr", setzt sich der 18-Jährige ein Ziel, das mit seiner Musik und den Erfolgen vor Musikliebhabern so gar nichts zu tun hat.