Oschersleben l Als der DTM-Veranstalter ITR am Montag in Stuttgart seinen Rennkalender für 2016 vorstellte, fehlte die Rennstrecke in der Börde. Erstmals seit 2003 müsste die Motorsport-Arena in Oschersleben damit auf eine der zuschauerträchtigsten Publikumsveranstaltungen verzichten. Im September kamen offiziell 66 000 Besucher zu dem dreitägigen Event. Offenbar zu wenig. Denn die ITR beruft sich auf eine entsprechende Ausstiegsklausel im Vertrag.

„Wir sind auch weiterhin bereit, den 2013 geschlossenen Dreijahresvertrag bis einschließlich 2016 zu erfüllen“, sagte Thomas Voss. Der Geschäftsführer der Motorsport-Arena Oschersleben hat am Freitag erstmals von den Plänen der ITR erfahren und war völlig überrascht. „Es gab für solche Überlegungen überhaupt keine Anzeichen. Wir werden das Gespräch mit der ITR suchen und alle Möglichkeiten ausschöpfen“, kündigte Voss an.

Schaden im Moment schwer zu beziffern

Wirtschaftlich bedeute der Wegfall der Veranstaltung für Rennstrecke und Umfeld einen großen Einschnitt: „Die DTM ist die größte Einzelsportveranstaltung in Sachsen-Anhalt“, sagte Voss weiter.

Als „enormen Image-Verlust für Oschersleben“ bezeichnete Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) den Rückzug der DTM. Der Rennzirkus sei das Zugpferd für eine ganze Region gewesen, von dem viele profitiert hätten. „Alle Hotels waren für die Zeit der DTM ausgebucht und auch der Einzelhandel konnte sich über starke Umsätze freuen.“

Das bestätigte Peter Schondelmaier, Betreiber eines der größten Hotels in Oschersleben: „Finanziell bedeutet das natürlich herbe Einschnitte. Ich habe allerdings auch schon erlebt, dass der Rennkalender zwischen November und Februar viermal geändert wurde“, sagte Schondelmaier. „Vielleicht gibt es ja noch ein Fünkchen Hoffnung.“

Matias Steffen, Abteilungsleiter für Wirtschaftsförderung bei der Oschersleber Stadtverwaltung, zeigte sich überrascht: „Der Schaden ist im Moment schwer zu beziffern. Wenn aber künftig nicht mehr 50  000 Gäste an einem Wochenende die Region besuchen, kann das schon als Katastrophe bezeichnet werden”, sagte Steffen. Die DTM sei das Aushängeschild für Oschersleben und die gesamte Region gewesen.

2016 hat die DTM so wenig Stationen in Deutschland wie noch nie. Im Rennkalender stehen nur noch die Auftakt- und Finalrennen in Hockenheim (7./8. Mai und 15./16. Oktober) sowie die Stationen am Lausitzring, am Norisring und dem Nürburgring. Neben Spielberg (Österreich), Zandvoort (Niederlande) und Moskau (Russland) kehrt der Hungaroring im ungarischen Budapest in den Kalender zurück.