Magdeburg l Die Insolvenz des größten privaten deutschen Rezeptabrechners AvP hat bei Apotheken in Sachsen-Anhalt zu einem immensen Schaden geführt. Bislang haben 72 der insgesamt gut 580 Apotheken im Land eine vorläufige Gesamtschadenssumme von rund acht Millionen Euro gemeldet.

Das geht aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Dagmar Zoschke (Linke) hervor. Die gemeldeten Einzelschäden würden zwischen 1500 Euro und mehr als einer Million Euro liegen. Besonders stark betroffen sind nach bisherigen Erkenntnissen der Saalekreis (13 Fälle) sowie die Stadt Halle (12) und der Landkreis Anhalt-Bitterfeld (11). Der durchschnittliche Schaden betrage etwa 110 000 Euro.

Die Apothekerkammer hatte die Zahlungsausfälle als „existenzbedrohend“ bezeichnet. Von dem Geld müssten Rechnungen für vom Großhandel und von der Industrie gelieferte Arzneimittel bezahlt werden – aber auch Mieten, Gehälter und Sozialbeiträge. Es komme nun zu „gefährlichen Liquiditätsengpässen“.

3500 AvP-Kunden bundesweit

Deutschlandweit waren bis zu 3500 Apotheker AvP-Kunde – das ist etwa jeder sechste. Einer Schätzung zufolge schuldete ihnen der Abrechner im Durchschnitt 120 000 Euro, insgesamt also mehr als 400 Millionen Euro.

Hintergrund: Der Abrechner AvP wickelte das Zahlungsgeschäft der Apotheken mit den Krankenkassen ab. Das Unternehmen reichte die Rezepte gebündelt bei den Kassen ein und leitete die Beträge der Krankenkassen an die Apotheken weiter. Die Gelder der Apotheken sollten dabei auf Treuhandkonten vor unbefugtem Zugriff geschützt sein – eigentlich.

Laut Sozialministerium können in Not geratene Apotheken bei Finanzierungslücken grundsätzlich auch Betriebsmitteldarlehen der Investitionsbank oder Bürgschaften der Bürgschaftsbank beantragen.