Magdeburg l Ab April 2021 braucht Kaliproduzent Zielitz mehr Platz für seine Salzabfälle. Andernfalls wäre die Förderung Geschichte. K&S beschäftigt in Zielitz 1800 Menschen. Da das Genehmigungsverfahren aber bis Ende des Jahres andauert, geriet das Unternehmen unter Druck. Daher beantragte K&S für einen ersten Abschnitt einen vorzeitigen Baubeginn. Das Bergamt gab im Oktober 2019 dafür grünes Licht. Der Umweltverband BUND reichte vor dem Verwaltungsgericht Magdeburg Klage ein. Hauptgründe: Waldrodung und Salzbelastung.

Ein Verfahren hätte Kali wieder in erhebliche Zeitnot gebracht. Daher hat die Unternehmensleitung dem Umweltverband Verhandlungen angeboten. Werkleiter Holger Hoppe und BUND-Landeschef Ralf Meyer haben sich jetzt auf einen Vergleich geeinigt.

„Wir verzichten auf eine Klage gegen einen vorzeitigen Baustart“, sagte Meyer Freitag auf Nachfrage der Volksstimme. Im Gegenzug verpflichtet sich K&S zu zusätzlichem Wald- und Naturschutz. Außerdem übernimmt Kali Zielitz die Anwalts- und Gutachterkosten des BUND. Zur Höhe äußerte sich keine Seite. Üblich sind fünfstellige Summen. Bei einem ähnlich gelagerten Vergleich im Streit um die A 14 mit dem Land waren es bis zu 80.000 Euro.

K&S sucht alten Wald

Kali rodet im ersten Bauabschnitt 32 Hektar Wald. Bislang hatte sich K&S verpflichtet, zum Ausgleich 50 Hektar aufzuforsten. Nun kommen weitere 36 Hektar Kompensation hinzu. So muss das Unternehmen einen Laubmischwald mit altem Baumbestand suchen und schützen lassen. Zudem wollen K&S gemeinsam mit dem BUND nach Arealen in der Region fahnden, um dort Bäume zu pflanzen oder neue Überflutungsflächen für die Elbe zu sichern.

Außerdem setzte der BUND durch, dass K&S nach Möglichkeiten sucht, den Salzabfall unter Tage zu lagern oder anderweitig zu verarbeiten. Für eine Unter-Tage-Deponierung müsste der Abfall aber getrocknet oder zu Salzbeton verarbeitet werden; beides gilt als extrem teuer.

Kali Zielitz fördert jährlich 12 Millionen Tonnen Rohsalz. Nur zwei Millionen Tonnen taugen als Kalidünger. Der große Rest wandert auf die Halde. Bislang ist diese nicht dicht. So gelangen hochsalzige Abwässer in den Grund. Künftig muss die Halde abgedichtet werden.

BUND-Chef Meyer sagte, der Kompromiss gelte allein für den ersten Bauabschnitt. „Ein totaler Klageverzicht ist das nicht.“ Der Verband werde sich die Gesamtgenehmigung Ende 2020 genau ansehen. Gegen die Erweiterung haben auch Anwohner aus Heinrichshorst Widerspruch eingelegt. Der Ort ist von Wald umgeben. Sie fürchten, dass ihr Lebensraum zerstört wird.