Magdeburg l Wenn Merkel in Harvard vor Tausenden Studenten spricht, gehen die Bilder der Kanzlerin vor der eifrig in die Hände klatschenden Elite binnen weniger Sekunden um die Welt. Vor 95 Jahren hätten sich Europäer noch mindestens zehn Tage gedulden müssen, um jene Bilder in der Tageszeitung zuhause zu sehen. Fotos mussten per Schiff nämlich erst einmal ihren beschwerlichen Weg über den Atlantik antreten. Erst am 5. Juni 1924 gelang es Ernst Alexanderson einen Brief via Funkstrecke an seinen Vater nach Schweden zu senden. Es war gleichzeitig das erste Fax, das über den Atlantik versendet wurde.

Heute, fast ein Jahrhundert später, wirkt das Telefaxgerät wie ein Relikt vergangener Tage. Immer neue Kanäle versprechen in Zeiten der Digitalisierung eine schnelle und sichere Kommunikation. Als bedrohte Spezie der Kommunikationsbranche taugt das Fax aber nicht – noch nicht. Denn noch immer nutzen zwei Drittel aller Unternehmen in Deutschland das Faxgerät, wie eine Befragung des Digitalverbandes Bitkom von mehr als 1000 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern im vergangenen Jahr ergab. 2016 waren es sogar noch acht von zehn (79 Prozent) Unternehmen, die häufig per Fax kommunizierten.

Eine ähnliche Tendenz ist auch in Sachsen-Anhalt erkennbar. „Das Faxgerät spielt noch eine Rolle. Die Unternehmen setzen jedoch immer stärker auf digitale Kommunikation“, sagt Jan Pasemann vom Verband der IT- und Multimediaindustrie Sachsen-Anhalt. Je nach Branche und Unternehmensgröße kämen hingegen immer öfter Instrumente wie Onlinemeetings und Videokonferenz zum Einsatz. Bereits in der repräsentativen Bitkom-Umfrage hatten 47 Prozenz der Unternehmen angegeben, diese Kommunikationsformen zu nutzen.

Fax: Eine altbewährte Methode

Viele kleinere Firmen in Sachsen-Anhalt setzten jedoch weiterhin auf das Fax und damit auf die altbewährte, vertraute Methode. Ein Beispiel: Bei der alle drei Monate stattfindenden Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau geben Firmen Auskunft zur eigenen wirtschatflichen Entwicklung. „Von den 2000 Unternehmen antworten uns immer noch die meisten per Fax“, sagt IHK-Sprecher Markus Rettich.

Viele Firmen wurden vor der Erfindung des Internets gegründet. Aufträge, Bestellungen, Lieferscheine - die Papierflut kam immer im Faxgerät angesegelt. Ein Kommunikationsmittel, auf das auch Behörden vertrauen. „Teleffaxgeräte sind bei allen Gerichten und Justizbehörden unverändert im Einsatz“, erklärt Detlef Thiel vom Justizministerium. Sowohl Gerichte als auch Staatsanwaltschaften und Justizvollzugsanstalten kommunizieren per Faxgerät und übermitteln auf diesem Weg noch immer unter anderem Haftbefehle und Entlassungsersuche.

Auch im Schriftverkehr zwischen Gerichten und Rechtsanwälten ist bei sogenannten Eilsachen das Faxgerät nicht wegzudenken, sagt Christian Hoppe vom Amtsgericht Magdeburg. „Besonders, um Fristen zu wahren, ist das Fax unerlässlich und von der allgemeinen Rechtssprechung sanktioniert.“

Ein Fax für eine rosige Zukunft

Da Anwälte oft bis zur letzten Minute an Schriftsätzen feilten, sei ein Fax, das innerhalb weniger Minuten den Empfänger bei Gericht erreiche, eine sichere Methode. „Ein Brief braucht etwa einen Tag und muss dann von der Poststelle verteilt werden. Eine Fristüberschreitung ist nicht ausgeschlossen“, so Hoppe.

Und warum kein E-Mail? „Jeder gerichtliche Berich hat seine eigene Fax-Nummer und können somit direkt auf die Post zugreifen. E-Mails landen in der Eingangsstelle und werden von dort innerhalb von ein, zwei Tagen verteilt. Das wird sich erst ändern, wenn der E-Postverkehr der Justiz ausgebaut ist und rund läuft.“ Bis zur vollständigen Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs auf Schriftverkehr per Fax zurückgegriffen.

Immer öfter wird das Smartphone oder Tablet als mobiles Fax-System genutzt. Via Apps können Faxe versendet und mit digitaler Signatur versehen werden. So mag der klobige Staubfänger, der Botschaften von A nach B sendet, vielleicht seinem Ende entgegen taumeln. Das Fax jedoch wird uns noch viele Jahre begleiten.