Eisenhammer (dpa) l Land unter heißt es derzeit sinnbildlich bei der Traditions-Köhlerei in Eisenhammer in der Dübener Heide. Die Chefin der Stiftung Köhlerei Eisenhammer, Norma Austinat, sieht die Existenz der Köhlerei bedroht. Ursache ist ihrer Meinung nach eine Biber-Population, die am nahe gelegenen Hammerbach siedelt, mit Dämmen Wasser staut und aus ihrer Sicht das ökologische Gleichgewicht durcheinanderbringt.

Die Biberbauten sorgen laut Austinat für großflächige Wasserflächen, Versumpfungen und steigendes Grundwasser. Seit 2017 sei nun auch die Köhlerei betroffen. "Die Anlagen sind völlig durchnässt, es gibt Risse, die Schamotte platzt ab", sagte sie mit Blick auf das feuerfeste Gestein. Bevor sie 2016 zusammen mit ihrem Mann Jörn die Köhlerei übernahm, um sie als Stiftung zu führen, war die Leipzigerin in der Medizinbranche mit Veranstaltungen und Projekten aktiv.

Köhler-Tradition bewahren

Anliegen der Stiftung sei es, die alte Köhler-Tradition zu bewahren, das Wissen darüber zu erhalten und die Heimatverbundenheit zu stärken, sagte Austinat. Die Holzkohle werde in sechs sehr großen sogenannten Glocken hergestellt und auch verkauft. Außerdem gebe es eine historische Ofenanlage mit vier Öfen aus feuerfestem Beton mit Schamottesteinen. "Dies ist die Hauptproduktionsstätte", sagte Austinat.

Ursprünglich war die Köhlerei Eisenhammer Lieferant für metallverarbeitende DDR-Betriebe. "Damals wurden von hier bis zu 300 Tonnen Holzkohle ausgeliefert", sagte Austinat. Die weithin bekannten Erdmeiler sind in Eisenhammer indessen nicht zu finden.

Selten gewordene Handwerks-Zunft

Die Köhlerei gehört zu den selten gewordenen Handwerks-Zünften. Nach den Angaben des Europäischen Köhlerverbandes wurden deshalb Köhlerhandwerk und Teerschwelerei in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen.

In der Dübener Heide zwischen Bad Düben und Wittenberg sieht Austinat ihre Köhlerei nun wegen der Biber vor dem Aus, wenn sich nicht eine Lösung findet.

Biber sind geschützt

Das Magdeburger Umweltministerium kennt das Problem. Es handele sich um ein altes etabliertes Biberrevier. Biber gehören zu den besonders geschützten Arten. Es habe mehrere Vor-Ort-Termine mit den Behörden des Landkreises, dem Gewässerunterhaltungsverband und der Biberreferenzstelle gegeben, teilte das Ministerium mit.

Mit einer Ausnahmegenehmigung wurden Biberdämme entfernt, beziehungsweise geschlitzt und mit Drainagen versehen. Bis 2016 seien keine Beschwerden wegen Nässe auf dem Köhlerei-Gelände bekannt geworden. Es sei nach wie vor zweifelhaft, ob die Biberaktivitäten allein für die Beeinträchtigung der Bausubstanz verantwortlich sind, hieß es. An diesem Freitag solle es ein erneutes Treffen zwischen dem Ministerium und den Behörden des Landkreises geben, um die aktuelle Lage und das weitere Vorgehen zu besprchen.