Magdeburg l Noch nie seit der Gründung im Jahr 1990 gab es im Nationalpark Harz so massive Schäden durch Borkenkäfer wie aktuell. Rund 40 Quadratkilometer Fichten des länderübergreifenden Schutzgebiets mit Niedersachsen hat der Schädling bereits zum Absterben gebracht. Laut Nationalparkverwaltung entspricht das 16 Prozent der Gesamtfläche des Schutzgebiets von fast 250 Quadratkilometern.

Die Nationalparkverwaltung lehnt ein Eingreifen aber ab: „Die Idee ist, dass wir in diesen Wäldern die natürlichen Abläufe zulassen“, sagte Leiter Andreas Pusch. Die Fichte werde sich verjüngen und mit Laubbäumen langfristig robustere Bestände bilden. „Wir brauchen solche Experimentierfelder auch, um zu sehen, wie sich die einheimischen Bestände im Klimawandel bewähren“, sagte Pusch weiter.

Die CDU im Landtag will das so nicht länger hinnehmen. Der umweltpolitische Sprecher Andreas Schumann forderte am Freitag neben weiteren Maßnahmen zur Sicherung der Wälder „eine Anpassung des Nationalparkgesetzes und der -konzeption“. Auf Grund der veränderten Klimabedingungen mit Stürmen, Dürrephasen und erhöhtem Schädlingsaufkommen sei zwingend eine Anpassung zum Erhalt von Artenvielfalt und Biodiversität erforderlich. „Wir müssen auch im Nationalpark resistentere Baumarten pflanzen“, sagte Schumann weiter. Mindestens im Randgebiet des Parks müsse der Borkenkäfer aktiv bekämpft werden. Parteikollege Guido Heuer wurde noch deutlicher: Durch Borkenkäfer drohten das Absterben ganzer Bestände und damit Kahlflächen, Erosion und Verkarstung, sagte er. Wolle man das verhindern, müssten die Bestände auch innerhalb des Nationalparks konsequent von Schadholz beräumt werden.

Beifall von Waldbesitzern

Unterstützung kommt vom Waldbesitzerverband. Er betrachtet das Schutzgebiet als Kontaminationsrisiko für nahe Wirtschaftswälder. „Der Vorstoß ist überfällig“, sagte Chef Franz zu Salm-Salm. Unabhängig davon beruhe das Management des Nationalparks, Fichtenbestände sich selbst zu überlassen, auf einem Missverständnis des geltenden Gesetzes.

Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann erteilte den Unions-Plänen indes eine klare Absage: „Das Nationalparkgesetz zu ändern ist eindeutig die falsche Lösung“, sagte sie. Der Wald im Nationalpark repariere sich selbst, dort einzugreifen bringe nichts. Die CDU sollte statt Aktionismus zu verbreiten sich damit beschäftigen, wie die Klimakrise bewältigt werden kann. Das Umweltministerium betonte, Gesetzänderungen seien nur in Absprache mit Niedersachsen möglich. In bis zu 1000 Meter breiten Grenzstreifen des Parks zum Wirtschaftswald werde Schadholz schon jetzt konsequent beräumt. Wegen Trockenschäden erwägt der Harzkreis derweil erstmals Waldgebiete zu sperren, um Spaziergänger vor herabstürzenden Ästen zu schützen. Experten wollen kommende Woche Details beraten.