Bundeswehr Nato-Übung in Schnöggersburg
Bundeswehr und Nato-Partner haben in Schnöggersburg bei Gardelegen gemeinsam trainiert. Es war die erste Großübung in der Retortenstadt.
Gardelegen (dpa) l Trotz andauernder Ausrüstungsprobleme sieht sich die Bundeswehr für ihren Nato-Einsatz im kommenden Jahr gut gewappnet. Bei einer großangelegten Übung in der Altmark trainierten rund 2000 Soldaten aus Deutschland und anderen Nato-Partnerländern ihre Gefechtsbereitschaft. Die Übung sei erfolgreich abgeschlossen worden, sagte Heeresinspekteur Jörg Vollmer am Dienstag. "Die Truppe ist super vorbereitet." Eineinhalb Wochen trainierten die Soldaten auf dem Truppenübungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide.
Im kommenden Jahr übernimmt Deutschland die Führung der sogenannten Nato-Speerspitze. Die schnelle Eingreiftruppe soll innerhalb von drei Tagen an jeden Ort verlegbar sein, wo sie benötigt wird. Sie war 2014 gegründet worden – eine Reaktion auf die russische Annexion der Krim.
Für die rund 5000 deutschen Soldaten, die den Großteil der insgesamt 8000 Mann umfassenden Speerspitze stellen sollen, steht im Herbst nun noch ein abschließender Test in Norwegen auf dem Programm. Dann gehe es darum, vor allem die schnelle Verlegung und Einsatzbereitschaft der Truppe und der Ausrüstung zu trainieren, sagte Vollmer. Der Heeresinspekteur gibt zu: Damit für jeden Soldaten die geforderte Ausrüstung – inklusive Zelten, Winterbekleidung und Schutzwesten – bereitsteht, müsse das Material in anderen Verbänden zusammengesammelt werden. "Es fehlt dann anderswo." Die Ausrüstung des Heeres müsse insgesamt verbessert werden.
Vollmer betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit mehrerer Nato-Länder für solche Einsätze. "Es ist eine Gemeinschaftsleistung und nichts anderes." In und um Schnöggersburg trainierten die deutschen Soldaten zusammen mit Kameraden aus Norwegen und den Niederlanden, mit denen sie auch den Großteil der Speerspitze stellen werden.
Die Nato-Truppen sollten in dem Übungsszenario die neue Militär-Übungsstadt Schnöggersburg einnehmen. Zunächst versuchten niederländische Einheiten, mit einem Angriff die Aufmerksamkeit des Gegners auf sich zu ziehen. Seitlich am Waldrand rollten dann deutsche Panzer auf Schnöggersburg zu und begannen, den strategisch wichtigen Flughafen einzunehmen.
Eine Szene aus der Übung: Ein Panzer rollt in die wie ausgestorben daliegende Straße der Schnöggersburg. Staub wirbelt auf, aus den umliegenden Häusern sind Schüsse zu hören. Drei Soldaten springen aus dem Panzer, laufen auf die Häuserzeile zu, Sturmgewehre im Anschlag. Kurz bevor sie die Eingangstür erreichen, sinkt ein Soldat zu Boden – getroffen von der Kugel eines im Haus versteckten Feindes. Sofort kommen Soldaten zur Hilfe. Die Wunde wird versorgt, ein gepanzertes Sanitätsfahrzeug nimmt den Verletzten auf, bringt ihn aus dem Gefechtsgebiet, wo ein Hubschrauber bereits im Anflug ist. Das Ganze dauert nur wenige Minuten.
Es war die erste Großübung in der neuen Militär-Übungsstadt Schnöggersburg. Der erste Teil mit rund 200 Gebäuden war dem Heer im vergangenen Jahr übergeben worden – fertig wird das 140-Millionen-Euro-Projekt den Planungen zufolge erst nach 2020. Soldaten sollen unter möglichst realistischen Bedingungen für den Einsatz in städtischem Gebiet üben können. Neben Wohngebäuden aus grauem Beton steht ein Gotteshaus mit Kuppeldach. Auch einen U-Bahntunnel gibt es in Schnöggersburg. Scharf geschossen wird dabei nicht: Ein lasergestütztes System zeigt, ob ein Soldat als verletzt oder handlungsunfähig zu gelten hat.