Magdeburg l Windparkbetreiber geraten in Sachsen-Anhalt immer häufiger in Konflikt mit dem Naturschutz. Im Zentrum: der als gefährdet geltende Rotmilan. Laut Naturschutzbund Sachsen-Anhalt (Nabu) stellt die Greifvogelart die meisten Schlagopfer an Windrädern. In einem aktuellen Fall wies das Bundesverfassungsgericht die Beschwerden zweier Windparkbetreiber aus Sachsen-Anhalt ab, die keine Genehmigung für ihre Parks erhalten hatten.

Behörden vor Ort hatten die Anträge abgelehnt, weil sie befürchteten, dass Rotmilane getötet würden. Das Urteil stärkt die Kompetenzen örtlicher Behörden bei der Einschätzung der Gefährdung für die Vögel. Das Problem: Rechtsvorgaben fehlen bislang. Stattdessen gibt es Empfehlungen.

Die daraus entstehende Praxis bereitet der Branche massive Probleme, sagt Simeon Ziegeler, Projektentwickler beim Windkraft-Planer PNE. Beispiel: In einem Windpark bei Klötze wollen Betreiber ihre Anlagen „repowern“. Neun neue Räder mit Nabenhöhen von 140 Metern sollen 27 kleinere (75 Meter Nabenhöhe) ersetzen. Die produzierte Strommenge soll so deutlich steigen. Im Gebiet des Windparks brütet aber der Milan.

Die Untere Naturschutzbehörde fordert laut Ziegeler einen Mindestabstand von 1000 Metern zum nächsten Horst. Grundlage sind Empfehlungen einer Länderarbeitsgemeinschaft, bekannt als „Helgoländer Papier“, auf die sich auch der Nabu regelmäßig beruft. Die Planer hätten daher vorgeschlagen, den Windpark zu verlegen, so Ziegeler. Die Zustimmung der Gemeinde Klötze stehe aus.

Zuletzt hatte auch das Oberverwaltungsgericht Magdeburg Windanlagen nahe Milanhorsten im Drömling abgelehnt und sich auf das Helgoländer Papier berufen. Das Verfassungsgericht forderte den Gesetzgeber auf, für verbindliche Standards bei Schutzvorgaben zu sorgen.