Magdeburg l Seit der Bahnreform 1996 können die Länder ihre Nahverkehrsstrecken an verschiedene Verkehrsunternehmen vergeben. In drei Jahren laufen die bestehenden Verträge für das Dieselzug-Netz aus, weshalb Sachsen-Anhalt diese Linien europaweit neu ausgeschrieben hat. Am Montag gab das Land bekannt: Ab Dezember 2018 sollen die Züge von Abellio auf den Gleisen rollen.

Mit-Bieter wie HEX und DB Regio haben zehn Tage Zeit, Widerspruch bei der Vergabekammer einzulegen. Beide waren bislang auf diesen Strecken unterwegs. Vor allem im Harz war die Überraschung groß: Denn mit HEX verliert die Region ein mittlerweile vertrautes Unternehmen, das auch wirtschaftliche Impulse setzte. Die Firma, die zur französischen Transdev-Gruppe gehört, bekam 2005 als erste Privatbahn ein Netz in Sachsen-Anhalt. Sie lässt ihre Züge beim Halberstädter Unternehmen VIS warten. Erst am Sonntag übernahm HEX die Linie Halle-Goslar. „Alle Mitarbeiter sind zutiefst enttäuscht und traurig“, teilte die Firmenleitung mit. Auch DB Regio bedauert die Entscheidung, da im Dieselnetz 250 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Mit Abellio soll die Tochter der Niederländischen Eisenbahn den Zuschlag erhalten. Bei Netz-Übernahme bekommen vor allem Lokführer und Schaffner der alten Unternehmen Angebote, in der Leitungsebene fährt Abellio die schlanke Linie. Das Unternehmen (deutsche Zentrale Berlin, Regionalsitz Halle) ist bisher nur im Süden Sachsen-Anhalts unterwegs. Ausgerechnet bei der Premiere am Sonntag blieben auf der Strecke Halle-Kassel Züge stehen. Nun gewinnt Abellio einen weiteren Auftrag in Höhe von knapp einer Milliarde Euro hinzu. Der Vertrag läuft 14 Jahre lang. Einen Teil seiner Wartung will Abellio auch in Halberstadt erledigen lassen, allerdings hat die Firma in Sangerhausen einen eigenen Reparaturbetrieb.

Abellio bot nach Angaben der Landesverkehrsgesellschaft Nasa das günstigste Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Abstand zu den Wettbewerbern lag dem Vernehmen nach im dreistelligen Millionenbereich. Auftraggeber und Bezahler sind neben Sachsen-Anhalt auch Thüringen sowie der Zweckverband Braunschweig.

Abellio überzeugte mit fabrikneuen Wagen, viel Platz für Fahrräder, drahtlosen Internetverbindungen (WLAN), Kartenautomaten und Schaffner-Personal in allen Zügen. Das Unternehmen fährt alle Linien wie bisher – auch den Wochenendzug von Goslar nach Berlin. Allerdings gibt es auch drei offene Posten: Magdeburg-Oschersleben; Magdeburg-Bernburg und Aschersleben-Halberstadt. Sollte das Land in den nächsten Jahren deutlich weniger Geld für den Regionalbahnverkehr haben, müssten diese Linien ausgedünnt werden, sagte Verkehrs-Staatssekretär Klaus Klang.