Magdeburg l Über Jahre ist der Anteil der Zuwandererkinder an den Schulen der Großstädte in Sachsen-Anhalt gestiegen. Von den landesweit 6000 Schülern (Stand Januar) mit mangelnden Deutschkenntnissen lernte zuletzt fast ein Viertel allein in der Landeshauptstadt Magdeburg.

Problematisch wird das nach Ansicht von Schulleitern und Kommunalpolitikern vor allem an den Grundschulen. Da diese feste Einzugsbereiche haben und Zuwanderer bevorzugt in bestimmten Vierteln leben, sind extreme Ungleichverteilungen die Folge. An der Grundschule Weitlingstraße in Magdeburgs Altstadt etwa lag der Zuwanderer-Anteil zuletzt bei 72 Prozent. Auch in Halle konzentrieren sich die Zuwanderer an einzelnen Standorten. Angesichts der Entwicklung hatte zuletzt etwa Mario Vollack, Leiter der Grundschule Sudenburg, vor einer „Ghettoisierung“ gewarnt.

Das Erlernen der deutschen Sprache funktioniere nur schlecht, wenn zu viele Kinder aus einem Herkunftsland in derselben Klasse sitzen, sagte auch Torsten Olle, Leiter der Grundschule An der Klosterwuhne im Magdeburger Norden. Ins Viertel waren zuletzt besonders viele Syrer und Afghanen gezogen.

Unterstützung erhielten die Schulleiter von Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Angesichts der Entwicklung fordert er seit langem mehr Freiheiten für die Landeshauptstadt bei der Verteilung der Zuwandererkinder auf ihre Grundschulen.

Lob vom Grundschulverband

Das neue Schulgesetz kommt dieser Forderung nun entgegen: Anders als bislang dürfen die Schulbehörden von Städten und Landkreisen Kinder mit Migrationshintergrund künftig in Grundschulen auch außerhalb ihres Viertels – und damit in solche mit geringerem Zuwandereranteil – schicken.

Voraussetzung: Die Alternativschule muss in „zumutbarer Entfernung“ liegen und „pädagogisch günstigere Bedingungen“ für die Inte- gration aufweisen. Um auf die Reform hinzuweisen, hat sich Bildungsstaatssekretärin Eva Feußner (CDU) vorgestern mit einem Schreiben an die Oberbürgermeister der drei kreisfreien Städte Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau gewandt.

Darin weist Feußner darauf hin, dass gerade die Großstädte profitieren. Denn die Entfernungen zwischen den Grundschulen auf ihrem Gebiet dürften in aller Regel zumutbar sein. Das zu prüfen, ist jeweils Sache des Landesschulamts. Die Oberbürgermeister hatten das Schreiben gestern noch nicht erhalten. Eine Stellungnahme erhielt die Volksstimme auf Anfrage aus keiner der drei kreisfreien Städte.

Der Grundschulverband begrüßte die Reform derweil: Studien zeigten, dass Zuwanderer sich besser integrieren, wenn sie früh mit deutschen Kindern lernen, so Vorsitzende Thekla Mayerhofer. Eine gerechtere Verteilung sei daher vor allem auch im Sinne der Kinder.

GEW warnt vor versteckten Einsparungen

Die Lehrergewerkschaft GEW bewertet die Neuerung differenziert: Für die Integration sei eine Verteilung besser, sagte Vorsitzende Eva Gerth. Allerdings sei zu klären, mit welchen Verkehrsmitteln die Kinder zu den neuen Schulen gelangten. Gerth warnte zudem vor versteckten Einsparungen: Grundschulen erhalten demnach bislang Extra-Stunden für die Sprachförderung von Migranten. Die GEW befürchte, dass Einrichtungen, die erst nach der Reform Zuwanderer zugewiesen bekommen, diese Stunden nicht mehr bekommen.

Das Bildungsministerium wies das zurück. Jeder Zuwanderer nehme seinen Anspruch auf Sprachförderung mit.