Oberbürgermeister Trümper: "Die Existenz des Magdeburger Hafens ist gefährdet"

Niedersachsen torpediert die Elbe-Schifffahrt

Von Jens Schmidt und Michael Bock

Niedersachsen will der Elbeschifffahrt in Sachsen-Anhalt das Wasser abgraben. Die rot-grüne Koalition im Nachbarland hat sich darauf geeinigt, dass die Elbestrecke zwischen Dömitz und Hitzacker nicht mehr ausgebaggert werden soll. Die Existenz des Magdeburger Hafens ist gefährdet.

Magdeburg l Nach den Plänen von Rot-Grün in Niedersachsen soll ein Ausbau der besagten Elbestrecke flachfallen. Dieser Abschnitt ist wegen zu geringer Fahrrinnen-Tiefe aber ein Nadelöhr für die Binnenschiffer. Wird es nicht beseitigt, rechnen Fachleute mit einem baldigen Aus für die Elbe als Transportweg zwischen Dresden und Hamburg.

Das hätte auch massive Auswirkungen auf den Magdeburger Hafen. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagt: "Die Existenz des Magdeburger Hafens ist gefährdet. Der Vorschlag aus Niedersachsen ist dreist. Hier wird egoistisch gehandelt."

Der Geschäftsführer der Magdeburger Hafen GmbH, Karl-Heinz Ehrhardt, sagt: "Wir trocknen langsam aus." Es werde versucht, die Binnenhäfen an den Kanälen in Niedersachsen zu begünstigen und den Konkurrenzhäfen an der Mittelelbe das Wasser abzugraben. In den Magdeburger Hafen sind seinen Angaben zufolge in den zurückliegenden zehn Jahren insgesamt rund 80 Millionen Euro geflossen.

Nicht nur Ehrhardt vermutet hinter Niedersachsens Beschluss die Absicht, einen lästigen Konkurrenten loszuwerden: Niedersachsen will, dass der Bund den 115 Kilometer langen Elbe-Seitenkanal zwischen Wolfsburg und Hamburg für dreilagigen Containerverkehr ertüchtigt. Ein paralleler Ausbau der Elbe wäre angesichts knapper Finanzressourcen dabei hinderlich.

Derzeit können Binnenschiffer bei guten Wasserständen wählen, ob sie über den Kanal oder über die Elbe in Richtung Hamburg schippern. Die Passage durch die Elbe ist für etliche attraktiver, da sie gratis ist; bei der Kanalfahrt wird eine Art Maut fällig.

Bislang scheiterte Niedersachsen mit seinen Kanalausbau-Wünschen an zu hohen Kosten. Fiele aber der Elbverkehr flach, würde das die Tonnagen und damit den Kosten-Nutzen-Faktor des Kanalausbaus erhöhen.

Die Ostdeutschen aber wollen die Elbe für Schiffsverkehr mit drei Lagen Containern fit machen. Das Magdeburger Schifffahrts-amt prüft derzeit die Anhebung dreier Brücken (Hubbrücke Magdeburg, Schönebeck und Barby).

Sachsen-Anhalt und Sachsen fordern vom Bund, die beiden Nadelöhrstrecken an der Elbe zu beseitigen, damit Schiffsverkehr möglich bleibt. Gemeint ist die besagte Dömitzer Strecke sowie der Abschnitt zwischen Saalemündung (Barby) und Riesa. Wenigstens 1,60 Meter Fahrrinne ist das Ziel. "Wir können das hier gut halten", sagt Friedrich Koop, Chef vom Wasserstraßenamt in Magdeburg. "In den beiden Problemstrecken aber nicht. Doch das wäre ökonomisch wie ökologisch vernünftig lösbar."

In der nördlichen Problemzone (bei Dömitz) müssten neue Buhnen gebaut werden. Diese in den Fluss hineinragenden, wie Finger aussehenden Steinbauwerke verengen den Fluss: Dadurch fließt das Wasser schneller, und es setzt sich weniger Sand ab. Die bereits in den 30er Jahren geplanten Buhnen wurden kriegsbedingt nie gebaut. Derzeit wird die sich zusetzende Fahrrinne ständig ausgebaggert.