Halle l Die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Halle warnt in einer neuen Studie vor einem Engpass bei Erziehern, der sich in den kommenden Jahren noch dramatisch zuspitzen könnte. Schon heute können im Schnitt 260 Stellen in Kindertagesstätten nicht mehr besetzt werden, seit 2011 hat sich die Zahl verdoppelt. Statistisch betrachtet braucht eine Einrichtung inzwischen 70 Tage, bis sie eine freie Stelle wieder besetzen kann, also mehr als zwei Monate.

„Es wird in Zukunft schwieriger werden, freie Stellen zu besetzen“, warnt BA-Chef Kay Senius. Das vorhandene Arbeitskräftepotenzial sei bereits gut erschlossen worden. 22.200 Erzieher arbeiten heute landesweit in den Kitas, 15 Prozent mehr als vor vier Jahren. Weil aber rund 40 Prozent der Fachkräfte in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen und der Bedarf an Erziehern wegen steigender Geburtenzahlen stetig wächst, droht ein erheblicher Fachkräftemangel.

Mehr als 1000 arbeiten andernorts

Verschärfend kommt hinzu, dass es immer mehr Erzieher gibt, die zwar in Sachsen-Anhalt wohnen, aber in einem anderen Bundesland arbeiten. Zuletzt zählte die Bundesagentur 1000 Auspendler nach Niedersachsen und Sachsen. Umgekehrt gibt es nur 700 Fachkräfte, die aus den anderen Ländern nach Sachsen-Anhalt zur Arbeit fahren. Und dafür gibt es aus Sicht der Arbeitsmarktexperten einen zentralen Grund: Erzieher in Sachsen-Anhalt verdienen hierzulande deutlich weniger als in den Nachbarbundesländern.

Der durchschnittliche Bruttolohn für Kindererzieher lag hier zuletzt bei monatlich 2792 Euro. Ostdeutschlandweit werden hingegen 2822 Euro gezahlt, in Niedersachsen sogar 3038 Euro. Im Bundesweiten vergleich verdienen nur Erzieher in Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern noch weniger als ihre Kollegen in Sachsen-Anhalt.

Zwei Drittel arbeiten nur Teilzeit

BA-Regionalchef Senius sieht langfristig nur eine Lösung, um den drohenden Engpass noch abzumildern: „Der Beruf muss attraktiver werden und dazu gehört zu allererst auch eine gute Bezahlung und ein breites Angebot an Vollzeit- oder vollzeitnahen Stellen.“

Junge Leute würden häufig auch deshalb vor dem Erzieherberuf zurückschrecken, weil viele Einrichtungen nur Teilzeitbeschäftigungen anbieten. Nach Angaben der Bundesagentur sind zwei Drittel der Erzieher im Land derzeit nur mit Teilzeitverträgen ausgestattet, das Land hat neben Sachsen und Brandenburg die bundesweit höchste Teilzeitquote.

Gewerkschaften und Sozialverbände kritisieren zudem schon seit Jahren, dass die Ausbildung von Erziehern zu lange dauert. Anders als in anderen Berufen üblich, dauert die Lehre fünf Jahre. Über eine bundesweite Neuregelung konnte sich die Kultusminsiterkonferenz bislang jedoch nicht verständigen.