Magdeburg (rk/dpa) l Sie werden von ihrem Partner erniedrigt, geschlagen und ergreifen die Flucht: Im vergangenen Jahr haben 557 Frauen in den insgesamt 19 Frauenhäusern Sachsen-Anhalts Unterschlupf erhalten. Das sind zwar weniger als 2017 (614 Frauen). Auffällig jedoch: Die Frauen blieben deutlich länger als in den Vorjahren – durchschnittlich 55 Tage. Aber warum?

Sachsen-Anhalts Justizministerium erklärte, dass es von Region zu Region unterschiedliche Gründe dafür gebe. In vielen Fällen hat die aufwendige Wohnungssuche bei Frauen mit Migratonshintergrund für eine längere Aufenthaltsdauer gesorgt. Oft ist der Aufenthaltsstatus der Frauen prekär. Für die Frauenhäuser bedeutet das zusätzlichen Beratungsaufwand zu Fragen rund ums Mieten: Besichtigungen, Schufa-Bescheinigung, Wohnberechtigungsschein, Wohngeld. „Es wird zudem immer schwerer, vor allem große Wohnungen für Frauen mit Migrationshintergrund zu finden“, sagte eine Mitarbeiterin des Frauenhauses in Magdeburg.

271 Frauen abgewiesen

Oft kämen die Frauen nicht mehr nur mit einem oder zwei Kindern, sondern vier bis sechs. Dementsprechend große Wohnräume werden benötigt. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Erstmals seit vier Jahren kamen im vergangenen Jahr mehr Kinder (562) als Frauen ins Frauenhaus. Und so setzt sich die Kette der Probleme fort. Aus einer Kleinen Anfrage der SPD-Abgeordneten Angela Kolb-Janssen geht hervor, dass zwischen Januar und September 2018 rund 271 Frauen keine Zuflucht gewährt werden konnte. Die einen bleiben länger im Frauenhaus, die anderen müssen deshalb abgewiesen werden. „Im vergangenen Jahr war es wirklich extrem“, so die Mitarbeiterin des Magdeburger Frauenhauses.

Nur 184 der insgesamt 557 schutzsuchenden Frauen hatten 2018 einen Migrationshintergrund. Und so ist ein anderer, weitaus gewichtiger Grund für die längere Aufenthaltsdauer die immer größer werdenden Probleme bei der Wohnungssuche. Ein Beispiel: Im Dessauer Frauenhaus suchte im vergangenen Jahr nur eine Frau mit Migrationshintergrund Zuflucht. Dennoch mussten insgesamt 13 Frauen aus Platzmangel abgewiesen werden. „Es wird zum einen immer schwerer, Wohnungen für die Frauen zu finden, das war früher einfacher“, sagt Martin Walz vom Dessauer Frauenhaus. „Zum anderen benötigen die Frauen einfach mehr Zeit, um wieder ins Leben zurückzufinden.“

Schwere Wohnungssuche

Die schwierige Wohnungssuche für Frauen in Not ist bundesweit ein Thema. Die Einrichtungen bekämen zu spüren, dass der soziale Wohnungsbau jahrzehntelang vernachlässigt worden sei, sagte die Geschäftsführerin der Frauenhauskoordinierung, Heike Herold. In dem Verein sind mehr als 250 Frauenhäuser bundesweit Mitglied. Bezahlbare Wohnungen fehlten nicht mehr nur in Ballungsräumen, sagte Herold, sondern auch in der Fläche. Dabei gebe es ohnehin schon zu wenig Plätze in Frauenhäusern.