Magdeburg l Für Gordon Preetz waren die vergangenen drei Jahre forstwirtschaftlich eine Katastrophe. Seit Juni 2016 richtete zunächst eine ganze Reihe von Stürmen schwere Schäden in seinem 40 Hektar großen Waldgebiet bei Salzwedel an. Besonders heftig wüteten eine Gewitterfront im Juni 2017 und zuletzt zwei Stürme im Oktober, sagt der Waldbauer im Nebenerwerb. „Auf 30 Hektar hat es teils schwerste Schäden gegeben.“

In diesem Sommer kam die Dürre obendrauf. Seit Mai gab es in der Gegend um Salzwedel keinen nennenswerten Niederschlag mehr, sagt Preetz. 70 Prozent seiner im Frühling angepflanzten Jungbäume sind einfach verdorrt. Die Trockenheit schwäche die Bestände bis heute, von ihr begünstigt breite sich jetzt auch noch der Borkenkäfer aus. „Einen ein Hektar großen Fichtenbestand müssen wir komplett abholzen“, sagt Preetz.

Preisverfall durch Holzschwemme

So wie ihm geht es vielen der rund 53.000 Waldbesitzer im Land. Nach Berechnungen des Waldbesitzerverbands wurden allein durch die Stürme der vergangenen Monate 3,5 Millionen Festmeter Holz umgeworfen – doppelt so viel wie sonst innerhalb eines Jahres im Land geschlagen wird. Die Folgen seien verheerend: Die entstehende Holzschwemme sorge für einen Preisverfall. „Der Holzmarkt in Mitteleuropa ist quasi zusammengebrochen“, sagt Verbandschef Prinz Franz zu Salm-Salm. Den Schaden allein durch die Stürme beziffert zu Salm-Salm auf 140 Millionen Euro.

Damit nicht genug, sorgten Dürre und Schadinsekten auch landesweit für zusätzliche Verluste. Rund 5,5 Millionen neu gesetzte Bäumchen seien im Sommer zum Opfer der Trockenheit geworden, schätzt zu Salm-Salm – das entspreche rund 60 Prozent der Neupflanzungen (Schaden: fast 11 Millionen Euro). Parallel dazu rechnet der Verband mit Massen an Käferholz, die aus den Wäldern geschafft werden müssen, sich aber oft nur noch als Industrieholz verkaufen lassen. Verlust: noch einmal 42 Millionen Euro.

Ausfälle in Millionenhöhe

Die weitaus größten Ausfälle erwartet der Verband allerdings erst langfristig – durch die Folgen von Dürre und Käferbefall. Die geschwächten Wälder könnten in den kommenden Jahren weit weniger an Biomasse zulegen als erwartet. In der Summe rechnet der Verband mit Ausfällen von 353 Millionen Euro. „Eine solche Situation hatten wir seit 70 Jahren nicht“, sagt zu Salm-Salm. Für Waldbesitzer entstehe eine „nie dagewesene Last“. Seine Forderung: ein Nothilfeprogramm für Waldbesitzer im Umfang von 40 Millionen Euro.

Doch anders als die ebenfalls dürregeplagten Landwirte, die mit 30 Millionen Euro Nothilfe von Bund und Land rechnen dürfen, werden die Waldbesitzer wohl leer ausgehen.

Keine zusätzlichen Hilfen

Das Umweltministerium erklärte am Freitag, die Wiederaufforstung von Mischwald werde ohnehin unterstützt, zusätzliche Hilfen werde es nicht geben. Die Behörde begründet das mit eigenen Zahlen. So hält das Haus von Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) für die Aufforstung nach Dürreschäden bislang nur rund 9 Millionen Euro für erforderlich und veranschlagt noch einmal 650 000 für Waldbrandschäden. Beim Borkenkäfer erwartet das Ministerium zwar hohe Schäden, für eine seriöse Einschätzung aber sei es zu früh, sagte Sprecherin Jenny Schwarz. Die Berechnung von Langzeitschäden durch Dürre und Käfer hält die Behörde schließlich insgesamt für nicht „zielführend“. „Bisher ist uns kein einziges Unternehmen bekannt, das in seiner Existenz bedroht ist“, fügte Schwarz hinzu.

Franz zu Salm-Salm machen solche Sätze wütend. Umweltministerin Dalbert wirft er vor, keinerlei Empathie für die betroffenen Waldbesitzer aufzubringen. Das seien oft kleine Leute. „Wer so mit den Menschen umgeht, darf sich nicht wundern, wenn sie sich von der Politik abwenden.“