Gardelegen (dpa) l Schnörkelloser Sichtbeton, große Glasfenster und ein grauer, gegossener Fußboden: Die Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe in Gardelegen hat jetzt ein Besucher- und Dokumentationszentrum. Der Neubau wurde nach etwa anderthalbjähriger Bauzeit am Donnerstag in Betrieb genommen. "Es geht nicht um Prunk und Protz", sagte Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger anlässlich der Schlüsselübergabe mit Blick auf die bewusst gewählte Einfachheit der Gebäudearchitektur: "Es geht um inhaltliche Aufgaben."  

Die Gedenkstätte, die im vergangenen Jahr rund 6700 Menschen besucht haben, erinnert an ein Massaker der Nationalsozialisten. Mehr als 1000 Menschen aus mehreren geräumten KZ-Außenlagern sollten kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in andere Lager gebracht werden. Einige strandeten rund um Gardelegen und wurden am Abend des 13. April 1945 in Marschkolonnen zu einer Feldscheune des Gutes Isenschnibbe getrieben. Die Scheune wurde angezündet, die darin eingepferchten Menschen starben. Das Besucherzentrum wurde entlang dieser ehemaligen Todesmarsch-Route zur Scheune errichtet. 

Der etwa 80 Meter lange und zehn Meter breite Glas-Beton-Riegel kostete 3,7 Millionen Euro. Die Kosten trägt nach Angaben der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt das Land. "Es geht um pure Zurückhaltung", sagte deren Direktor Kai Langer. Es sei seitens der Behörden Voraussetzung gewesen, ein "zurückhaltendes und nicht mehrstöckiges Gebäude" auf dem Gelände zu errichten. 

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Gedenkstättenleiter Andreas Froese und zwei Mitarbeiter werden künftig in dem Gebäude arbeiten. Im April 2020 ist die Eröffnung der Dauerausstellung geplant – dann jährt sich das Massaker zum 75. Mal. Die Ausstellung wird nach Angaben der Gedenkstättenstiftung noch einmal etwa 540.000 Euro kosten. "Künftig ist es uns möglich, auch Ort für Sonderausstellungen und  Bildungsveranstaltungen zu sein", sagte Froese.

2016 gab es für das Bauvorhaben einen Architektenwettbewerb. Den Zuschlag bekam ein Büro in Berlin. "Die größte Herausforderung war die Positionierung des Gebäudes im Kontext von Gräberfeld und Scheune", sagte Architekt Bruno Vennes.

Die Gedenkstätte erinnert auch an die Todesmärsche in den letzten Kriegsjahren 1944 und 1945, als die Nationalsozialisten zahlreiche Konzentrationslager wegen der heranrückenden Front räumten.