Halle (dpa) l Die Oberbürgermeisterwahl in Halle am kommenden Sonntag ist geprägt von dem rechtsextremistischen Terror am vergangenen Mittwoch. Viele Aktionen der OB-Kandidaten sind deshalb abgesagt worden. "Die Wahlkampfaktivitäten sind komplett eingestellt", teilte das Wahlkampfteam von Hendrik Lange (Linke) am Freitag mit, der auch von SPD und Grünen unterstützt wird. Der Wahlkampfabschluss auf dem Marktplatz wurde demnach abgesagt. "Da ist etwas passiert, dass unsere Stadt für immer verändert hat", sagte Lange.

Die Tat hat auch Auswirkungen auf andere Veranstaltungen. Der Wahlkampfleiter von Andreas Silbersack (FDP), gemeinsamer Kandidat der FDP und CDU, sagte, Aktionen an den Wahlkampfständen seien abgesagt worden. "Bis Sonntag wird kein richtiger Straßenwahlkampf durchgeführt, aber es wird kleinere Aktionen geben", ergänzte Johannes Steinbacher.

Ein 20-Jähriger ist am Mittwoch von einem 27-Jährigen in einer Dönerbude erschossen worden, eine 40 Jahre alte Frau vor einer Synagoge. Zu dem Zeitpunkt hielten sich 51 Menschen in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur. Bei dem Angriff führte der Täter Stephan B. nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank vier Schusswaffen mit sich. Er habe ein Massaker in der Synagoge anrichten wollen. Sein Versuch scheiterte jedoch an der Eingangstüre des Gotteshauses.

Der 27-Jährige hat die Taten gestanden und auch rechtsextreme und antisemitische Motive eingeräumt. B. sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl legt ihm zweifachen Mord und siebenfachen Mordversuch zur Last.

"In einer solchen Zeit, ist kein Platz für einen bunten Wahlkampfendspurt", sagte OB-Kandidat Lange. "Die Gefahren des Rechtsextremismus in Deutschland und in Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen Jahren deutlich unterschätzt worden." Alarmsignale gebe es schon seit Ewigkeiten, dieser Anschlag sei ein Zeichen, dass viele diese Signale nicht ernst genommen hätten.

Silbersack sprach von einer Zäsur für die Stadt. "Man muss es so nennen: Es ist Schande über Halle und Deutschland gekommen", sagte er. Die Erschütterung der Menschen könne kaum in Worte gefasst werden. Die Gesellschaft müsse jetzt in aller Konsequenz gegen Rechtsextremismus vorgehen. Aber auch was den Schutz von jüdischen Gemeinden und Mitbürgern angehe, müsse es Konsequenzen geben. Zudem sagte er, der Rechtsextremismus habe an Zugkraft gewonnen. "Auch weil die AfD Ressentiments schürt. Erst kommen die Worte dann kommen die Taten."